Reisebericht Australien 1999

Bericht, Tipps und Informationen über meine Australienreise

vom 21. April 1999 bis 10. Juni 1999.

Reiseroute auf Australienkarte

Perth Albany Esperance Wave Rock Rottnest Island Pinnacles Kalbarri Monkey Mia Coral Bay Broome Fitzroy X Turkey Creek & Halls Creek Kununurra & Katherine Gorge Ubirr & Kakadu N.P. Alice Springs Ayres Rock & Olgas Kings Canyon Sydney & Blue Mountains

Reiseidee und -vorbereitung

In Australien und Zuhause bin ich oft gefragt worden: "Warum Australien?". Die Antworten:
a) Australien befindet sich fast am anderen Ende der Welt. Faszinierend, oder? Es war ein Kindheitstraum von mir, an das andere Ende der Welt zu reisen.
b) Ich interessiere mich für Musik und Kultur der Aborigines und spiele selber Didjeridu.
c) Ich hatte viele atemberaubende Bilder von Australien gesehen und die Natur und Landschaft wollte ich erleben.

Da ich einen Teil der Reisestrecke mit dem Mietwagen zurücklegen wollte, die einsamen und endlosen Strecken aber nicht für eine Alleinfahrt zu empfehlen sind und ausserdem ein Mietwagen für mich alleine viel zu teuer gewesen wäre, brauchte ich einen Reisepartner. Aus dem Freundeskreis war mangels Urlaub oder Geld niemand bereit mitzufahren. Also habe ich bei www.australien-info.de gesucht und inseriert. Über eine Anzeige dort habe ich Günter per E-Mail kennengelernt. Ich wollte die die Ostküste bereisen, Günter die Westküste. Da ich Ost und West immer verwechsle, dachte ich, Günter wollte auch dorthin, wo ich hinwollte. Beim 2. Telefonat bemerkte ich meinen Irrtum. Nachdem mir Günter aber schon von der Westküste vorgeschwärmt hatte, informierte ich mich im Reiseführer über die Westküste und stellte fest: Die Westküste könnte noch interessanter als die Ostküste sein. Beim 3. Telefonat sagte ich Günter, dass wir gerne zusammenfahren könnten. Kurz vor Weihnachten 1998 bin ich nach Köln gefahren, um Günter   persönlich kennenzulernen. Wir haben uns gut verstanden (auch wenn der kölsche Dialekt nicht immer gut zu verstehen war ;-) ) und wir beschlossen, einen Teil der Reise gemeinsam zu planen.

Mietwagen

Günter hatte schon eine Quelle gefunden, wo wir einen günstigen Mietwagen buchen konnten: bei Boomerang Reisen. Dort haben wir für ca. 3 1/2 Wochen einen Deluxe Campervan gebucht, der pro Tag dank der günstigen Saison im Mai nur DM 44,-- am Tag  incl. unlimitierter Kilometer und Einwegmiete kostete. Dazu mussten wir in Australien vor Ort noch eine Versicherung abschließen, die pro Tag nochmals A$ 19 kostete. Wir haben dort eine umfangreiche Versicherung abgeschlossen: Der Selbstbehalt sank dadurch von A$ 1200 auf A$ 500 und zwei kaputte Reifen und eine kaputte Windschutzscheibe waren mitversichert. Der Campervan hatte zwei Betten, 1 Fridge, 1 Spüle, TV, 240 V A/C, Fahrer A/C und wir waren mit dem Wagen sehr zufrieden. Jedoch war der Tank etwas klein mit knapp 60 Litern Fassungsvermögen bei einem Verbrauch von ca. 14-15 l, so dass es sehr ärgerlich gewesen wäre, eine Tankstelle zu verpassen. Ein Autokauf kam bei der kurzen Nutzung des Wagens nicht in Frage, da man einige Zeit beschäftigt ist, einen Wagen zu finden und später wieder zu verkaufen. Außerdem brennen die alten Autos auch des öfteren aus oder der Motor gibt auf. Wir haben ebenfalls festgestellt, dass die Buchung von Germany aus wesentlich günstiger ist als vor Ort zu buchen. Ein Verlängerungstag kostete immerhin A$ 56. Da der Wagen keinen Vierradantrieb hatte, durften wir nur auf asphaltierten Strassen fahren, was manchmal etwas ärgerlich war. Auf Gravel-Roads (Schotterpisten) bestand kein Versicherungsschutz. Viele Strecken zu den Sights waren wiederum geteert, so dass wir fast nichts verpasst haben und ein 4 WD hätte uns fast das Dreifache gekostet.

Flug

Über Internet habe ich beim Reiseveranstalter Travel-Overland ein sehr günstiges Angebot gefunden. Transkontinentalflug mit der Singapore-Airline und zwei Inlandsflüge mit Ansett im Paket für ca. 2.150,-- ab Bremen. In den lokalen Reisebüros waren die Angebote mindestens DM 200,-- teurer. Also habe ich bei Travel-Overland gebucht und auch gleich die Flugtermine festgelegt: Am 21.04.1999 von Bremen über Frankfurt und Singapur nach Perth; mit dem Mietwagen nach Darwin; am 29.05.1999 von Darwin  nach Alice Springs; am 03.06.1999 von Alice nach Sydney und am 11.06.1999 von Sydney nach Bremen. Das elektronische Visum habe ich bei der Flugbuchung gleich mitbestellt und die Ausreisegebühr war im Flugpreis enthalten.

Reisegepäck: Hier meine kommentierte Packliste:

Sachen

Kommentar

sterile Pflaster und Bandagen, Tapeband, Desinfektionsmittel, Cremes sehr wichtig, irgendwo im Outback geht immer die Haut kaputt, kann man sich auch vor Ort kaufen
Brillen (für Ersatz sorgen) Muss sein
Taschentücher (Tempos) Muss nicht sein
Hygieneartikel (Zahnpflege, Deo, Duschgel...) (Kulturbeutel)  
Rasierzeug (nass oder trocken)  
Reep, Schnüre 15m, 3-5mm (Wäscheleine und zum Festzurren), Klebeband, Befestigungsriemen, Messer, Schere Ich war froh, immer etwas Band in der Tasche zu haben und benötigte es öfters
Unterwäsche, Socken, T-Shirts, kurze und lange Hosen, Gürtel, Für 1-2 Wochen Wäsche, dort gibt es genug Waschmaschinen auf Campingplätzen und in Backpacker-Hostels
Regencape, Pullover Es hat auch mal geregnet und im Spätherbst war es nachts erstaunlich kalt in Alice Springs.
Taschenlampe  
Ohrenstöpsel Habe ich oft gebraucht, z.B. Flugzeug, laute Backpacker-Hostels
Kopfbedeckung (Sonnen-, Regenschutz) Überlebenswichtig in OZ, kann man sich besser in OZ kaufen
Schuhe (Wandern, Sandalen, Badelatschen) Sehr wichtig sind gute und angenehme Wanderschuhe, die auch schon etwas eingelaufen sind. Eine Wanderung bei Sonnenaufgang im Nationalpark ist unvergesslich.
Badesachen, Handtücher  
Geldversteck (Brustbeutel/Geldgürtel) Ich hatte beides dabei und hatte das Gefühl, dass mein Geld und die Reiseschecks sicher waren.
Reiseführer, Kartenmaterial mit Schutzfolie, -hülle Die Reiseführer von Reise Know-How und Lonely Planet sind sehr gut. Wir hatten beide dabei. Karten sollte man sich in OZ kaufen. Ich hatte günstig Kartenmaterial beim RAC (=ADAC in D) gekauft. Dort war genau eingezeichnet, welche Strassen asphaltiert sind, Entfernungen, Tankstellen, Camping- und Caravanplätze und Sehenswürdigkeiten. Das hat uns sehr geholfen.
Fotoausrüstung inkl. Tasche oder Rucksack, Filme  
Videoausrüstung inkl. Tasche, Videotapes? Akkus inkl. Ladegeräte Es war zwar lästig, immer auf die Kamera aufzupassen, aber nach dem Urlaub weiß man die Mühe zu schätzen. Ich hab's nicht bereut. Ladegerät nicht vergessen!
Adapter für Steckdosen Steckdosenadapter bekommt man besser in OZ in jedem größeren Supermarkt. Dort gibt es ca. 240 V. Kein Problem für deutsche Geräte.
Reisewecker Manchmal muss man früh aufstehen, wenn man was sehen will.
Schlafsack Ganz wichtig, denn nicht in allen Backpackers gibt es Bettwäsche, geschweige denn ein sauberes Bettlaken.
Teller, Tasse, Becher, Besteck Brauchte ich nicht. War sowieso im Campervan drin.
Moskitonetz Die Tiere kommen in der Abenddämmerung raus und können einem den Schlaf und die ganze Nacht rauben.
Rucksack inkl. Regenhülle und Ersatzgurte Rucksack hatte ich mir neu gekauft, den man abschließen kann und wo die Gurte mit eingepackt werden können. Ausserdem ist ein kleiner Rucksack für kurze Wanderungen sehr empfehlenswert.
Adressanhänger für Rucksack  
Schlösser, Kofferriemen und -schlüssel (zum Sichern von Türen und Gepäck)  
Geld, Schecks, Scheck-/Kreditkarte Bargeld ist im Wechselkurs am teuersten, deshalb besser nur für den ersten Tag mitnehmen. Der Kurs bei Reiseschecks und Kreditkarte war OK. EC-Karte funktionierte auch an vielen Geldautomaten. Kreditkarte wurde fast überall, aber auch nur fast überall akzeptiert, deshalb ist Bargeld nach wie vor wichtig.
gültige Ausweise und Pässe: Personalausweis, Reisepass, Impfpass, wasserdichte Hülle für alle Ausweise  
Kopien der Ausweise und Pässe getrennt aufbewahren Hab' ich gemacht.
gültiges Visum Gibt es jetzt elektronisch und kann man gleich mit der Flugbuchung beantragen. Man muss es haben aber man merkt nicht, dass man es hat. Immerhin kommt ein Stempel in den Reisepass  bei der Einreise: Das ist ein schönes Andenken.
Flug-/Bahntickets, Bordkarte Wer die vergisst, kann gleich zuhause bleiben.
Hausschlüssel deponieren, Reiseanschrift hinterlegen  
(Internationaler) Führerschein Bin mit meinem roten Euro-Führerschein auch gut klar gekommen, bin allerdings auch nicht von den Cops kontrolliert worden.
Wörterbuch Englisch Brauchte ich öfters.
Schreibzeug und Papier, Tagebuch, Fahrtenbuch Habe ich geschrieben, sonst gehen doch viele von den Erinnerungen verloren.
Wichtige Adressen / Telefonnummern vor Ort und zu Hause, E-Mail-Adressen aufschreiben Internet-Cafes gibt es dort in jeder Stadt
(1 h: A$ 2 - A$ 10).
Telefon und Post Vorwahlen
nach Australien 0061 - von Deutschland
von Australien 0011 49 - nach Deutschland
Notfalltelefon in OZ: 000
Günstigste Anbieter Call-By-Call
Tarife von Australien nach Deutschland:
Telstra: 1 Min = 3,80 AU$ - Auch hier gibt es private Gesellschaften, die deutlich billiger anbieten inneraustralische Ortsgespräche: 1 Min = 0,40 AU$ während der australischen Nacht günstigere Nachttarife. Air Mail Briefe und Postkarten nach Europa mit "air mail" versehen nach Europa Postkarte A$ 1,00 Brief bis 10g A$ 1,20 Aerogramm AU$ 0,75 Laufzeit nach Europa zwischen 8 Tagen (Luftpost) und 3 Monaten (Schiff) Briefmarken erhältlich in vielen Läden und Tankstellen.
Reisekrankenversicherung Achtung: Viele Reisekrankenversicherungen versichern nur für max. 30 Tage Reisedauer günstig. Wer länger weg will, sollte bei der LVM Münster anfragen, von denen habe ich das beste Angebot bekommen.
Fluggesellschaft wegen Bestätigung 3 Tage vor Rückreise! Steht im Flugschein, wenn man das muss.
Sonnencreme und Insect Repellent (Insektenabwehrmittel) sollte man in OZ kaufen, da die Qualität dort eine wesentlich bessere ist. Lebensmittel darf man nur beschränkt einführen und sollte man sich ebenfalls dort besorgen.
Eine ausführliche Packliste findet man zum Download bei Alf Daubner.


21.04.-23.04.1999 Flug nach Perth, Australien

Um 10.30 Uhr sollte der Flug von Bremen starten. Da meine Freundin und ich am Flughafen noch eine Tasse Kaffee trinken und uns noch etwas Zeit für den Abschied nehmen wollten (wir sollten uns schließlich fast 2 Monate nicht mehr sehen!), waren wir bereits um 9.00 Uhr dort. Es kam aber anders: Am Gepäckschalter wurde mir gesagt, dass alle Flüge nach Frankfurt, wo ich meinen Anschlussflug erreichen musste, Verspätung hatten und der Jet des vorherigen Fluges noch steht und ich diesen noch nehmen könnte. Dieses Angebot habe ich schließlich angenommen. Zum Abschied blieb leider nur noch Zeit für einen Kuss. Kurze Zeit später saß ich im Flieger bereit zum Abflug. In Frankfurt musste der Pilot noch einige Schleifen fliegen, denn dort gab es einen Stau. Den Anschlussflug habe ich letztendlich frühzeitig erreicht. Der Flug von Frankfurt nach Singapur mit der Singapur Airlines war sehr komfortabel. Es gab leckeres asiatisches Essen und ein Alternativessen, immer was zu trinken und man hatte reichlich Platz, da der Flug nur zu ca. ¼ ausgebucht war. Besonders interessant fand ich die kleinen Displays vor jedem Sitz und das Multifunktionspanel in der Armlehne. Damit konnte ich zwischen 18 teilweise aktuellen Spielfilmen, ca. 12 Radioprogrammen, verschiedenen Nintendo-Spielen und einer Landkarte mit der aktuellen Position, Temperatur, Höhe und Geschwindigkeit wählen. Man konnte sogar mit dem Gerät telefonieren, war mir aber bei einem Minutenpreis von DM 15,-- doch etwas zu teuer. Und dies alles in der Economy-Class. Sehr empfehlenswert, diese Airline. Quantas und andere Airlines bieten nach Auskunft anderer Touristen keinen vergleichbaren Komfort.

Damit war der über 11-stündige Flug (11000 km) nach Singapur recht kurzweilig. Zwischen MESZ und der Zeit in Singapur lagen 6 h Zeitdifferenz, d.h. ich musste meine Uhr 6 h vorstellen und die Sonne in Singapur war um 7.00 am morgens gerade aufgegangen . Ich hatte ca. 2 ½ h Aufenthalt in Singapur. Als erstes habe ich mir Zigaretten gekauft, da ich gelesen habe, dass Zigaretten in OZ sehr teuer sind und ich mir einen kleinen Vorrat mitnehmen wollte. Die Stange kostete nur 13 S$ (ca. 1 S$ = 1 DM). Ich hatte Durst aber keine S$. Zum Glück konnte ich den Orangensaft, der ca. 2 S$ kostete, mit der Kreditkarte bezahlen. Der Flughafen in Singapur ist riesengroß und weitläufig. Ich musste vom einen Ende zum anderen laufen. Dabei waren die Laufbänder eine echte Erleichterung. Im Raucherzimmer wollte ich eigentlich eine Zigarette rauchen, aber dort war es sehr voll und ich dachte, ich gehe mal kurz nach draußen auf die Terrasse. Als ich die Tür nach draußen öffnete, wurde mir bewusst, dass ich mich jetzt in tropischer Umgebung befand. Ein Schwall heisser Luft schoss mir entgegen. Es waren bereits 28 °C und das morgens um 7 am! Also habe ich doch drinnen eine geraucht.

Um 9.40 am startete der Flug nach Perth, der noch mal 4 ½ h (4000 km) dauerte. Vom Flugzeug hatte ich den ersten beeindruckenden Blick auf Australien: keine Wolken, rote Erde und ich konnte sehr gut das Ningaloo Reef erkennen. Um 2.30 pm kam ich in Perth an. Zuerst musste ich durch die Passkontrolle und ich war gespannt, ob das elektronische Visum hier vorlag. Das Visum machte keine Probleme, aber meine Berufsbezeichnung. Ich musste auf einer Erklärung angeben, wie und wo ich mich in OZ aufhalten wollte und auch die Berufsbezeichnung angeben. Ich kannte das englische Wort für Rechtspfleger nicht und notierte deshalb die deutsche Bezeichnung. Nach einiger Erklärung war der Zollbeamte bereit, mich durchzulassen. Vor dem Flughafen stand ein Cityairport Shuttle Bus bereit, der für 9 A$ Touristen in die Stadt zu den gewünschten Hotels fuhr. Ich habe mir aus meinem Reiseführer ein Backpacker-Hostel herausgesucht, das günstig und citynah lag, das Globe Backpackers. Reserviert hatte ich aber nicht.

Dort angekommen hatte ich gerade Glück, dass eine Reservierung zurückgenommen worden war und ich dieses Doppelzimmer für A$ 30 je Nacht bekommen konnte. Das Zimmer war sauber, Toiletten und Duschen waren auf dem Flur und ein kontinentales Frühstück (Instant Coffee, Toast, Marmelade) inklusive. Das Hostel war wirklich direkt im Zentrum: nur ca. 200 m bis zur Fußgängerzone und der Hauptbahnhof war direkt vor dem Hotel. Deshalb war es im Zimmer auch etwas lauter. Im Hostel ging es locker zu: man grüßte sich freundlich und hat zusammen TV im Gemeinschaftsraum geschaut. Hauptsächlich habe ich dort Engländer, Holländer und einige Australier gesehen und teilweise kennengelernt. Den Abend nutzte ich für einen ersten Spaziergang durch die Stadt. Ich sah viele Geschäfte, in denen Aboriginal Art und typische australische Souvenirs verkauft wurden. Es war angenehm warm, ca. 26 °C und kein Wölkchen zu sehen. Die Menschen auf der Strasse strahlten allesamt eine sehr angenehme Lebensfreude aus. Ich habe mich nur gewundert, dass kurz vor 6.00 pm die Sonne unterging, aber schließlich war es Spätherbst und die Tage waren etwas kürzer. Zudem gibt es nicht den großen Unterschied (ca. 1 h) in der Tageslänge zwischen Winter und Sommer.

Abends habe ich zuhause angerufen. Mit Telefonkarten umzugehen, war nicht ganz so einfach. Telefonkarten von Privatgesellschaften gab es an jeder Ecke, die wesentlich günstiger waren als die öffentliche Telefongesellschaft Telstra. Die Telefonkarte kann man nicht einstecken, sondern auf der Telefonkarte steht eine Nummer, die zuerst gewählt wird und im Anschluss wählt man eine Identifikationsnummer und erst dann die Nummer nach Hause. Da ich das System nicht verstand, habe ich eine Australierin gefragt, die mir dieses erklärte. Die Karten der Privaten funktionieren aber auch nur bei Telefonen mit Tonwahlverfahren und in größeren Städten. Deshalb habe ich mir auch gleich Telefonkarten der Telstra gekauft. Da ich im Jet wenig geschlafen hatte, war ich abends richtig müde und bin um 9.00 pm ins Bett gegangen.

Perth Skyline

23.04.1999 (Fr) Perth: City Walk

Nach einem continental Breakfast im Backpacker-Hostel habe ich mich zu einer Wanderung durch die Stadt von Perth auf den Weg gemacht. Zuerst bin ich zum Kings-Park gegangen. Der Park ist von der City in ca. 30 min. gut zu Fuß zu erreichen. Vom Park hat man einen schönen Blick über Downtown von Perth, denn der Park ist auf einem Berg gelegen. Dort habe ich einige Papageien (Port-Lincoln Parrots) und Kakadus gesehen, aber leider noch keine Kängurus. In den Botanic Gardens, die gleich neben dem Kings Park liegen, lernt man einiges über die Flora Westaustraliens. Ein sehr komfortabler Service in Perth ist der kostenlose Stadtbus (City Cat), den ich oft genutzt habe.

Im Stadtteil Northbridge gibt es viele Cafe’s und Restaurants. Interessant fand ich die Food Courts: überdachte Hallen mit vielen asiatischen Imbissen, wo man von vielen leckeren Sachen auswählen kann, die hinter einer Vitrine warmgehalten werden. Für nur 6 A$ bekam ich eine große Portion mit Reis und vier verschiedenen Fleischsorten.

Zurück in der City bin ich in das Touristenbüro gegangen und habe mich nach einer Busrundtour im Süden von Westaustralien erkundigt. Es gab mehrere Angebote. Das Angebot von Eco Adventure Tours gefiel mir besonders und schien ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu haben. Es war Freitag , 3 pm und die Tour sollte am Samstag, 6 am starten. Der nette Berater hat ein kurzes Telefonat geführt und schon war die Reise gebucht: Für A$ 360 vier Tage mit einem Kleinbus nach Albany, Valley of the Giants, Gloucester Tree, Tree Top Walk, Esperance und Wave Rock mit Hotelunterkunft und teilweiser Verpflegung.

Für die Tour musste ich noch einiges einkaufen. Als erstes bin ich in die Drogerie gegangen, um nach Sonnenschutz zu fragen. Der netten alten Dame habe ich erzählt, was ich vorhabe und sie gefragt, was ich brauche. Nachdem sie mich kurz gemustert hatte, gab sie mir Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30+ und sagte dazu, dass ich es damit ca. 4 h in der Sonne aushalten könne. Echt heftig, aber die Leute hier kennen sich mit 'ihrer' Sonne aus . Dazu hat sie mir gleich noch eine Insektenabwehrcreme (Insect repellent) gegen Moskitostiche und einen Sonnenhut verkauft.

Für Didjeridu-Fans gibt es hier etliche Galerien und Souvenir-Shops wo auch Boomerangs, Bilder etc. verkauft werden, wobei die Qualität der Didjes oft stark zu wünschen übrig lässt. Wenn man sich intensiver umschaut kann man auch recht gute für unter A$ 300 finden.

In einem der vielen Internet Cafés habe ich Freunden per Email von meiner Ankunft in OZ berichtet und mir selber eine Email-Adresse angelegt, mit der ich meine Mails von überall abfragen kann.

Abends war ich von der vielen Lauferei müde. Am nächsten Tag sollte die Bustour früh starten, so dass ich mich frühzeitig ins Bett gepackt habe.

24.04.1999 (Sa) Bustour Perth

Um 7.00 am sollte ich vom Hostel abgeholt werden. Einen Teil meines Gepäcks, das ich meines erachtens nicht für die nächsten vier Tage brauchte, habe ich in einem Sack verstaut und im Backpackers deponiert. Ebenso war es ohne Probleme möglich, ein Zimmer für die Rückkehr zu reservieren.

Es war ein kleiner Bus mit 21 Sitzen und einem kleinen Anhänger für das Gepäck. Ray Penny war der Busfahrer und Tour-Guide. Ray's Alter schätzte ich auf ca. 50 Jahre und er hatte etwas von John Wayne. Er hatte Biologie studiert und konnte uns viel über Flora und Fauna erzählen. Außer mir saßen noch Kerstin aus Glasgow, Maja aus Bulgarien, eine Frau aus Taiwan und sechs Japanerinnen im Bus, sozusagen eine multikulturelle Reisegruppe, wobei ich mir die asiatischen Namen nicht merken konnte.

Nach ca. 2 h Fahrt in Richtung Albany machten wir auf einer grünen Wiese Pause. Ray hatte Rosinenstuten, Kaffee und Tee für alle dabei. Auf dem Weg zum Tree Top Walk habe ich vom Bus aus die ersten Kängurus gesehen und ich war wirklich fasziniert von dem Anblick. Wir sind durch den Valley of the Giants gefahren, über den Tree Top Walk gegangen, einige sind das Risiko eingegangen und einen solcher Riesenbäume hochgeklettert, in denen Stangen eingeschlagen waren um hochzuklettern. Bis in die 70er Jahre wurden diese Bäume als Feuerausguck genutzt. In der Nähe von Albany sind wir an die schroffe Küste des südlichen Ozeans gefahren und haben uns Natural Bridge & The Gap angesehen.

Gloucester Tree Tree Top Walk

Das Hotel in Albany nannte sich London Lounge und war eines der einfachen Art. Dort gab es eine leckere warme Mahlzeit und wir bezogen die Zimmer. Ray und ich mussten uns ein Zimmer teilen. Abends hatten Kerstin, Maja und ich uns zu einem Gang durch die Stadt verabredet und wollten eigentlich ein Live-Konzert sehen, von dem Ray uns erzählt hatte. Nachdem wird die überschaubare Stadt einmal durchlaufen hatten und nichts Einladendes gefunden hatten, gingen wir zum Hotel zurück. Dort im Saal spielte überraschenderweise eine lokale Rockband. Wir haben uns zu den ca. 30 Zuhörern dazugesellt. Es stellte sich heraus, dass Kerstin auch gerne Gin & Tonic (G & T)   trinkt, wir haben uns gegenseitig einige davon ausgegeben. Um 11 pm gingen wir in unsere Betten und ich habe dank G & T wunderbar gepennt.

25.04.1999 (So) Albany – Esperance

Zum Frühstück gab es "cooked breakfast": Spiegelei, Bratwurst, gebratene Speckstreifen und Toast. Ich bin ansonsten nicht der große Frühstücker und dementsprechend schwer lag mir das Zeug im Magen. Die Japanerinnen beklagten sich, dass sie wegen des Lärms der Rockband wenig geschlafen hätten. Da Kerstin und ich dank G & T gut geschlafen haben gaben wir den Japanerinnen den Rat, doch auch mal G & T als Gutenachttrunk zu sich zu nehmen. Ich glaube, sie haben nur aus Höflichkeit gelacht. Vielleicht dachten sie, dass wir etwas abgedreht sind, denn Japanerinnen trinken laut Ray fast nie Alkohol. Kerstin hat sich Vegemite aufs Brot geschmiert. Es sah aus wie Sirup. Auf Nachfrage erklärte sie mir, dass es Hefe sei und ich gerne probieren könne. Eine Messerspitze reichte mir, denn es schmeckte bitter und salzig, also nicht so ganz mein Fall, aber anscheinend der Lieblingsbrotaufstrich in OZ und Schottland.

Nächster Stopp nach Albany war eine Emu-Farm in der Nähe, wo letztendlich nichts anderes als eine Produktshow von Kosmetikartikeln aus Emu-Öl mit anschließendem Verkauf stattfand: Die einzige Sache, die mir auf der Fahrt nicht interessant fand. Die Japanerinnen waren aber sehr interessiert und haben reichlich eingekauft.

Auf Schotterpiste durch einen sehr schönen Regenwald sind wir zum "Tree In The Rock" gefahren, tatsächlich ein Baum, der aus einer Steinspalte herauswächst. Ray erklärte uns u.a., dass die dort stehenden Eukalyptusbäume der Art Karri und Jarrah die größten blühenden Bäume der Welt sind, 70 – 80 m hoch werden und zu einem Baum immer mehrere Stämme gehören. Unter einem solchen Baum gab es Tee und Kaffee. Am Fuße des Bluff Knoll, ein sehr beeindruckender Berg im Stirling Range National Park, der steil aus der Erde ragt, gab es Mittagessen: belegte Brote.

Strasse in WA

Die weitere Fahrt nach Esperance durch den Fitzgerald National Park war ermüdend lang: Auf einer Strecke von 200 km gab es kein Auto, kein Haus, die Strasse schien nur geradeaus zu gehen und die Natur war wenig abwechslungsreich. So sollte ich einen ersten Eindruck von den Entfernungen und der Menschenleere in Australien bekommen. Ich hatte mich nach vorne in den Bus gesetzt und konnte von Ray so einiges über Australien erfahren.
Stichpunkte:
- Durchschnittsfarmgröße 50 000 ha,
- die größte in Westaustralien: 700 000 ha,
- davon ca. 20 % in Benutzung,
- nennen sich Stations,
- Hauptanbau Weizen,
- Wasserbrunnen: ca. 250.000 A$ und 260 m tief,
- Road Trains sind auf fast allen Strassen unterwegs und bis zu 56 m lang, mit TV und bis zu 130 km/h schnell und haben einen sehr langen Bremsweg, weshalb man mit dem Auto nicht auf der Strasse halten sollte, besonders nicht hinter Kurven,
- Fliegenplage in Westaustralien durch Vergiftung um das 1000-fache gesenkt,
- Wind trägt das Salz von der Küste bis zu 300 km ins Land, weshalb nach Rodung große Flächen versalzen sind und unkultivierbar wurden
und vieles mehr.
Da ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, konnte ich ihm einiges über unsere Landwirtschaft erzählen. Da Ray noch nie in Europa war, interessierte er sich hierfür sehr.

Abends sind wir in einem Motel in Esperance untergekommen. Ich bekam sogar ein Einzelzimmer. Ray hatte von einem Partyservice Reis, Nudeln und Hähnchenkeulen bestellt. Nach dem Essen saßen Maja und ich im Gemeinschaftsraum mit einer Flasche Wein zusammen.

25.04.1999 Albany – Wave Rock

Der "Pink Lake" in Esperance war derzeit nicht pink, weil es geregnet hatte. Doch ansonsten soll der See wegen der im Wasser lebenden Algen lila strahlen. Bei Esperance gab es einen Strand, so was hatte ich noch nie gesehen, oder wenn doch, dann nur im TV: Der Sand war weiss wie Schnee und die Helligkeit blendete in den Augen, das Meerwasser leuchtete hellblau. Leider war es bewölkt und nur mäßig warm, so dass wir nicht schwimmen gegangen sind. Am Strand sah ich die ersten zwei Kängurus. Ich habe schnell die Videokamera angestellt und gefilmt. Ich war noch ca. 500 m von den Rus entfernt und habe mich immer weiter an sie herangepirscht. Schließlich stand ich einen Meter vor den Rus und bemerkte, dass ich sie ungefähr 30 min. gefilmt hatte. Ich war verwundert, wie wenig Angst diese Rus vor Menschen haben.

Beim Cape Le Grand National Park, der ca. 1 h Fahrzeit entfernt war, haben wir den Frenchmen’s Peak erklommen. Von dem 352 m hohen Berg hatten wir einen grandiosen und endlosen Blick über den südlichen Ozean und den sonst flachen Nationalpark.

Bis nach Hyden zum Wave Rock war es wieder eine ermüdend lange Fahrt (ca. 400 km) und sie dauerte den ganzen Nachmittag. Unterwegs haben wir riesige Weizensilos, in denen bereits Arbeiter eingesackt und erstickt waren, einen Hundefriedhof und einige Schwertransporter mit ungetümen Kippern aus den Minen gesehen. Ray quartierte uns auf einem Campingplatz ca. 500m vom Wave Rock entfernt in Hütten und einem Wohnwagen ein. Abends bereitete er uns ein tolles BBQ mit Steaks, Würstchen, Zwiebeln, Kartoffeln, Salat, Brot und Wein. Danach sind wir auf den Wave Rock geklettert zum "Stargazing". Ich hatte den sternklaren Nachthimmel noch nie so brillant gesehen und die Milchstrasse konnten wir sehr deutlich erkennen. Gegen 10 pm war dann Bettgehzeit.

Wave Rock

26.04.1999 (Di) Wave Rock – Perth

Die Nacht habe ich mit Ray in einem Wohnwagen verbracht. Ich hatte zwar gelesen, dass die Nächte im Landesinneren sehr kalt werden, aber ich dachte mein Schlafsack würde mich warm halten. Dem war nicht so und ich bin mehrmals nachts aufgewacht weil es so kalt war. Ray gab mir zusätzlich eine Decke und mit dem Schlafsack war es gegen die Kälte der Nacht ausreichend.

Um 6 am bin ich aufgestanden und nochmals auf den Wave Rock geklettert, um den Sonnenaufgang zu sehen. Der Sonnenaufgang am Felsen ist berühmt. Immer noch war es sehr kalt. Ich dachte fast, es würde frieren, aber die Aussicht und der Anblick der imposanten Morgendämmerung ließen mich schnell die Kälte vergessen.

Nach einem gemütlichen Frühstück auf dem Campingplatz sind wir in Richtung York gefahren. Dort haben wir einen Aborigine abgeholt. Sein englischer Name war Danny, seinen aboriginal Namen konnte ich mir nicht merken, geschweige denn schreiben. Wir sind zu einem Aussichtspunkt auf einem Hügel gefahren und Danny hat uns einiges über seinen Stamm, die Dreamtime und sich selber erzählt. Er ist Künstler und führt einen eigenen Laden in York. Interessant war seine Kriegsbemalung, die er extra für uns auf die Haut gemalt hatte. Anschließend hatten wir einige Stunden Aufenthalt in York, eine kleine verschlafene Stadt. Die Häuserfassaden bieten ein Bild wie eine Stadt im Wilden Westen zu früherer Zeit.

Danny

Gegen 4 pm endete unsere Rückfahrt in Perth. Insgesamt waren wir in den letzten 4 Tagen 2.500 km mit dem Bus unterwegs. Der Abschied fiel Ray und mir richtig schwer. Wir hatten uns in den letzten Tagen viel unterhalten und waren Freunde geworden und dass wir uns nochmals begegnen würden, war unwahrscheinlich. Zum Abschied habe ich allen die Hand geschüttelt, ebenso den verwirrt wirkenden Japanerinnen, denen der Händedruck eine unbekannte Gestik zu sein schien.

Zurück im Backpackers war das Zimmer, in dem ich einige Tage zuvor gewesen war, noch frei, so dass ich dieses wieder für die nächsten 5 Nächte und A$ 25 die Nacht beziehen konnte.

28.04.1999 Tagestour Rottnest Island

Für diesen Tag habe ich mir vorgenommen, nach Rottnest Island zu fahren, um die kleinen Quokkas zu sehen: kleine Beuteltiere, die zur Familie der Kängurus gehören und aussehen wie Ratten aber sehr niedlich und zahm sind und fast nur auf dieser Insel leben. Die Insel heißt Rottnest Island (Rattennest), weil der holländische Entdecker die Tiere fälschlicherweise für Ratten hielt.

Mit dem kostenlosen City Cat bin ich zum Anleger gefahren. Die Fahrt mit dem Katamaran zur Insel (ca. 20 km vor der Küste) dauerte ca. 1 ½ h und kostete A$ 45. Dort habe ich mir gleich ein Mountainbike geliehen, um die Insel (12 km Rundfahrt) zu erkunden. Dazu musste ich mir auch gleich einen Helm mieten, denn in ganz OZ gilt Helmpflicht für Fahrradfahrer. Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten mit der Gangschaltung und fast einen Zusammenstoß mit einem anderen Radfahrer. Ich war nämlich auf die rechte Straßenseite abgedriftet und vergaß, dass man in OZ ja links fährt.

Es waren ca. 24 ° C und wieder war keine Wolke zu sehen. Am Bootsanleger waren sehr viele Touris, aber die Menschenmenge verlief sich schnell auf der Insel. Die Radwege waren geteert. Es gibt dort sehr schöne Strände und viele Buchten, in denen man wunderbar baden kann.

Nach einigen Kilometern mit dem Fahrrad hatte ich immer noch keine Quokkas gesehen und ich machte mir Gedanken, wo ich diese wohl finden könnte. Ich suchte mir einen schattigen Sitzplatz um Obst zu essen und etwas zu trinken. Als ich dort saß, tauchte aus einem Busch neben mir ein Quokka auf und kam direkt auf mich zu. Ich war aufgeregt. Das Tier kam so nahe, dass ich es streicheln konnte und es leistete mir während der ganzen Pause Gesellschaft und schnupperte immer an meiner Tasche. Ich habe dem Tier nichts zu fressen gegeben, da ich befürchtete, es verträgt das Obst aus dem Supermarkt nicht.

Quokkas auf Rottnest Island

Auf der weiteren Rundtour um die Insel habe ich ca. 30 Quokkas gesehen, insgesamt sollen dort ca. 8.000 leben. Daneben habe ich Daddy Ducks, handgroße Spinnen, die ihre Netze zwischen den Bäumen gespannt hatten, Delfine im indischen Ozean und eine ca. 50 cm lange Echse gesehen. Von den vielen weissen Muscheln am Strand habe ich einige mitgenommen.

29.04.1999 (Do) Perth

Da ich die letzten Tage nur unterwegs gewesen war, wollte ich diesen Tag etwas ruhiger angehen lassen und mich in der Stadt etwas umschauen. In einem Opal-Geschäft habe ich mich über die für Australien bekannten Opale informiert und mir zwei schöne aber unechte gekauft. Die Beraterin war von Düsseldorf ausgewandert und es war angenehm, mal wieder deutsch sprechen zu können und dabei nicht über unbekannte Vokabeln grübeln zu müssen.

In verschiedenen Aborigine-Kunstgalerien habe ich mich über die Kunst der Eingeborenen informiert und einige Didjes ausprobiert. In dem Schaufenster des Touristenbüros stand ein Didj mit sehr schön herausgearbeiteten Maserungen. Auf Nachfrage wurde mit erzählt, dass dieses Instrument nicht zu verkaufen sei. Aber immerhin durfte ich darauf spielen. Der Verkäufer bot mir aber an, einen Termin mit dem Händler auszumachen, von denen er das Didj gekauft hatte. Das Angebot habe ich natürlich gleich angenommen. Der Name des Händlers war Glenn und er sollte am Samstag auf dem Subiaco Market sein, wo er mich erwarten würde.

Auf dem Marktplatz spielte die Polizeikapelle der Stadt: ca. 6 Dudelsackspieler mit Percussion, Synthesizer etc. Sie spielten fantastisch. Da ich sowieso von Dudelsäcken begeistert bin, habe ich mir das Konzert ganz angehört und auf Video aufgezeichnet.

30.09.1999 (Fr) Fremantle

Beim RAC, dem ADAC in OZ, habe ich mir sehr gutes Kartenmaterial für nur 5 A$ kaufen können.

Eigentlich wollte ich Fremantle nicht besuchen. Ich dachte, dass dafür keine Zeit mehr wäre. Aber Fremantle war mir von einigen Leuten in Perth empfohlen worden als eine Stadt mit europäischem Flair. Ich wollte herausfinden, was europäisches Flair hier bedeutet. Also bin ich mit dem Zug hingefahren. Im Zug habe ich Anja und Rainer aus Koblenz kennengelernt. Ich hatte die beiden bereits auf Rottnest Island und am Tag zuvor nochmals in der Stadt gesehen.

Schließlich haben wir den ganzen Tag zusammen verbracht, waren auf einem Markt, haben Fish `n Ships gegessen und uns abends an die Hauptstrasse in ein Café gesetzt. Jetzt konnten wir sehen, was mit europäischem Flair gemeint war: Wahrscheinlich nicht nur die vielen Straßencafés, sondern auch die aufgestylten Leute und Nobelkarossen, die sich an und auf der Strasse präsentierten. Wir haben uns das Spektakel genüsslich angeschaut und es war wirklich unterhaltsam.

01.05.1999 (Sa) Subiaco, Perth

Mit dem Zug war ich nach Subiaco gefahren, um den Subiaco Market zu besuchen. Es war ein kleiner, ruhiger Markt mit viel Flair, auf dem man Lebensmittel und anderen Krims Krams kaufen konnte. Dort habe ich Glenn getroffen, der Didj-Händler mit dem ich ein Treffen vereinbart hatte. Wir probierten zusammen einige Didjes aus, u.a. auch ein Didj, dass ca. 2,50 m lang war. Ich konnte auf dem Instrument kaum spielen, aber Glenn konnte in zwei Tönen blasen. Schließlich habe ich mir ein Schönes gekauft für A$ 226 + A$ 50 für den Versand nach Hause. Der Transport dauerte ca. 8 Tage und das Didj ist heile angekommen. Allerdings waren in Deutschland noch DM 60,-- für die Zollabfertigung zu zahlen, womit ich nicht gerechnet hatte.

Um 11 pm hat mich David vom Markt abgeholt. Ich hatte mich mit Verwandten meiner Arbeitskollegin, die in Perth leben, verabredet. Dort wurde ich sehr nett empfangen, es gab Kaffee und Kuchen und ich habe Trudy (Schwester meiner Kollegin), Terry (Schwager), Kerstin (Nichte) und Karl (das neugeborene Kind von David und Kerstin) kennengelernt. Aus ihrem Garten haben David und Kerstin mir eine Orange mitgegeben und Trudy und Terry haben mich beim Hostel wieder abgesetzt.

Um 5 pm sollte ich Günter, mit dem ich die weitere Reise mit dem Campervan machen wollte, vor dem Touristenbüro in der City treffen. Ich war sehr gespannt, ob wir uns wirklich dort treffen würden. Ich bin zu dem Treffpunkt gegangen, aber Günter war nicht dort. Als ich zum dritten Mal am Treffpunkt vorbeiging, rief jemand von hinten meinen Namen und ich freute mich, Günter zu sehen und ihn wirklich getroffen zu haben. Wir verabredeten uns abends in der Kneipe meines Hostels. Dort haben wir einige Jugs (Jug = Glaskrug mit 1 l Bier) getrunken.

02.05.1999 (So) Perth – Pinnacles (385 km)

Um 7 am bin ich aufgestanden und habe mühsam meine Sachen, die durch Shopping zusehends mehr wurden, in den Rucksack gequetscht. Um 9 am traf ich mich wieder mit Günter, um den Mietwagen abzuholen. Wir fanden nicht heraus, welcher Bus zu der Mietstation fährt, wo wir unseren Campervan abholen sollten. Letztendlich nahmen wir ein Taxi.

Der Van stand bereits vor der Tür für uns bereit. Bei der Übergabe hat uns der Mann die Funktionsweise des Wagens erklärt, was auch dringend notwendig war, denn wir mussten täglich Wasser und Öl kontrollieren. Wir haben eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen, die A$ 29 je Tag kostete, so dass die Selbstbeteiligung von A$ 1200 auf A$ 500 sank und zudem die Windschutzscheibe und zwei kaputte Reifen mitversichert waren. Auf die Frage, ob öfters Windschutzscheiben durch Steinschlag zu Bruch gehen, gab der Mann ein deutliches 'ja'. Zudem wurde ein Fehlerprotokoll über Schäden am Fahrzeug aufgenommen: Der Wagen hatte so viele Dellen, dass es nicht aufgefallen wäre, wenn wir noch einige mehr hineingefahren hätten. Aber im Innenraum war alles in Ordnung.

Am ersten Tag wollten wir gleich zu den Pinnacles fahren. Kurz vor der Wüste saß ein graues Riesenkänguru an der Strasse. Wir waren ganz begeistert von dem Anblick, aber nicht lange. Ca. 10 m vor dem Wagen, ich fuhr noch ca. 100 km/h, sprang das Tier genau vor unser Auto auf die Fahrbahn und ich konnte gerade noch einen Zusammenstoß vermeiden, indem ich ohne zu bremsen das Lenkrad nach rechts riss. Der Schock saß uns beiden Tief in den Knochen und wir hatten Glück, dass der Wagen nicht umgekippt war. Wie wir später erfuhren, sind in den 3 Wochen, wo wir unterwegs waren, auf der gleichen Strecke 4 Campervans umgekippt, weil irgendwelche Tiere (meist Kühe oder Kängurus) auf der Strasse waren.

6 km vor der Pinnacles Wüste war plötzlich die Teerstrasse zuende und eine Schotterpiste (Gravelroad) führte weiter. Obwohl wir auf diesen Gravelroads nicht versichert waren, versuchten wir durchzukommen. Doch es war eine reine Waschbrettpiste und es klang, als würde der Van sich jeden Moment in seine Einzelteile auflösen. Da es auch schon dunkel wurde, beschlossen wir, unser Vorhaben abzubrechen und morgen in den Morgendämmerung zu Fuß den Weg zu gehen.

In Cervantes haben wir den Campingplatz für die Nacht aufgesucht und den Kühlschrank mit Lebensmitteln und Getränken aufgefüllt. Die sanitären Anlagen auf den Campingplätzen waren überwiegend OK, doch meistens war man dort nicht alleine. Es trafen sich dort sämtliche Insekten. So haben wir kakerlakenähnliche Käfer, Spinnen, Gottesanbeterinnen, Stabheuschrecken, Moskitos, Ameisen, Motten und Geckos zu sehen bekommen. Dennoch war die Dusche am Abend eine Wohltat.

03.05.1999 (Mo) Cervantes – Kalbarri (464 km)

An diesem Tag sind wir um 5 am aufgestanden und ohne Frühstück in der Dunkelheit zu dem Punkt gefahren, wo die Teerstrasse zu den Pinnacles aufhörte. Wir wollten noch vor den großen Touristenströmen bei den Pinnacles sein. Die restlichen 6 km Gravelroad sind wir zu Fuß gegangen. Es war herrlich, denn wir haben sehr viele Kängurus gesehen und es war angenehm kühl und absolut still. Nur die Geräusche einiger Tiere und das Quietschen meiner Schuhe störte die Ruhe. Bei den Pinnacles waren wir am Morgen die ersten Touristen.

Pinnacles

Gegen 9 pm waren wir zurück am Wagen und haben uns auf den Weg nach Kalbarri gemacht. Frühstück gab es an einem Roadhouse an der Strasse. Worauf man unbedingt achten muss, ist der Benzinstand. Wir dachten, wir könnten mal eine Tankstelle auslassen, weil der Tank noch halbvoll war. Unterwegs wurden wir aber doch nervös, denn die Tanknadel ging erschreckend schnell nach unten. Wir hatten jedoch Glück und erreichten die Tankstelle in Dongara. Von da ab an sind wir bei jeder Tankstelle angehalten, auch wenn der Tank nur zu ¼ leer war und das war auch ganz gut so, denn manchmal war die nächste Tankstelle 50 km entfernt, die darauffolgende aber über 300 km.

Durch Kalbarri sind wir durchgefahren und haben den Campingplatz in Red Bluff aufgesucht, weil wir im Reiseführer gelesen hatten, dass die Küste dort wegen der steilen roten Felsenküste und der hohen Wellen atemberaubend sein soll. Und so war es auch. Wir haben uns den Sonnenuntergang am Meer angeschaut und waren beeindruckt von der Gewalt der Wellen.

04.05.1999 (Di) Kalbarri

An diesem Tag wollten wir 'Z-Bend' und 'The Loop' im Kalbarri Nationalpark anschauen, sehr schöne tiefe Schluchten, die der Murchison River in die Ebene gefressen hat. Jedoch führte eine 26 km Waschbrett-Gravelroad zu den Aussichtspunkten, so dass wir beschlossen, umzudrehen und uns nach einer organisierten Bustour zu erkundigen. Im Touristenbüro konnten wir für den folgenden Tag eine Bustour buchen.

Den Tag über haben wir uns in Kalbarri aufgehalten. Auf einer Bank im Park am Meer habe ich Bluey kennengelernt: Ein 46-jähriger Althippie der nach seiner Pupillengröße und seiner Gangart zu beurteilen stark unter Drogen stand. Er erzählte mir, dass er Bluey heißt, weil er rote Haare hat (?). In seinem Gesicht hatte er mehrere Narben und um seinen Hals hing ein Lederriemen mit der Pfote eines Kängurus, das er im Busch verletzt auffand und aus Mitleid erschlagen hatte. Er lebte im Busch und hat mich dorthin zu einem "Cruise" eingeladen. Ich habe aber höflich abgelehnt.

Den Rest des Tages haben wir damit verbracht, einen Papageienpark zu besuchen und an der Steilküste entlang zu fahren. Während Günter eine Bootstour auf dem Murchison River machte, habe ich wieder am Meer gesessen und den tollen Sonnenuntergang genossen.

Kalbarri N.P.

05.05.1999 (Mi) Kalbarri - Denham (404 km)

Von Kalbarri aus sind wir mit dem Bus in den Kalbarri Nationalpark zu den Aussichtspunkten 'The Loop' und 'Z-Bend' gefahren. Wir hatten wunderschöne Panoramaaussichten in die Schluchten den Murchison River. Im Park haben wir einige Stopps gemacht und der Fahrer erzählte uns einiges zu den Pflanzen, z.B. den Grasbäumen (Black Boys) und den Old Socks, die trotz ihres netten Aussehens einen unangenehmen vermoderten Geruch abgeben. Die Fahrt dauerte den ganzen Vormittag. Mittags sind wir nach Denham gefahren, um am folgenden Tag nach Monkey Mia weiterzufahren. Je nördlicher wir fuhren, desto heisser wurde es auch und die Fahrerei wurde zur Qual. Bisher hatten wir nicht herausgefunden, wie die Klimaanlage funktioniert. Die Hitze trieb uns zu immer neuen Versuchen an, bis wir bemerkten, dass die Lüfterregler in einer bestimmten Kombination zueinander stehen mussten, um kalte Luft in den Innenraum zu bekommen. Auf dem Campingplatz in Denham durften wir die Tür des Campervans kaum auflassen, weil sonst die Mozzies (Moskitos) unseren Wagen stürmten.

06.05.1999 (Do) Monkey Mia – Coral Bay (653 km)

Von Denham waren es noch ca. 30 km bis nach Monkey Mia. Nachdem bereits an der Einfahrt zum Dorf die fällige Gebühr von A$ 10 abkassiert wurde, durften man in der Nähe des Strandes parken. Die wilden Delfine, die dort um 8 am und 10 am von den Rangern gefüttert werden, waren bereits dort, und ebenfalls ca. 100 Touristen. Die Delfine waren fast zahm und ließen sich vorsichtig streicheln. Ich durfte einem Delfin einen Fisch reichen, daneben konnte man etliche Pelikane und einige Tauchenten beobachten.

Delphine in Monkey Mia

Nach einer Tasse Kaffee sind wir in Richtung Coral Bay aufgebrochen. Wir haben den Tropic of Capricorn (Südlicher Sonnenwendekreis) überquert, aber die Hitze war im Wagen dank der jetzt funktionierenden Klimaanlage auszuhalten. In Carnavon haben wir eine kurze Pause eingelegt. Auf einen Besuch der vielen Bananenplantagen verzichteten wir, da wir an diesem Tag noch Coral Bay erreichen wollten.

Coral Bay ist nur ein kleines direkt am Strand gelegenes Dorf und ich schätzte den Anteil der Touris an der Bevölkerung auf 90 %. Die Abende waren schwülwarm und das Wasser war lauwarm. In der Abenddämmerung habe ich bereits die ersten bunten Fische im flachen Wasser gesehen.

07.05.1999 (Fr) Coral Bay

Nach einem Frühstück aus dem Kühlschrank gingen wir erst mal in das Touristenbüro des Dorfes und informieren uns über die Angebote der Veranstalter. Um uns einen ersten Eindruck vom Korallenriff zu verschaffen, haben wir eine zweistündige Bootsfahrt mit einem Glasbodenboot gebucht (A$ 25 incl. Maske, Schnorchel und Flossen), die in 30 min. starten sollte. Gleichzeitig haben wir eine ganztägige Bootstour für den folgenden Tag gebucht, um den größten Fisch der Welt, den Walhai zu sehen.

Die Sicht aus dem Glasbodenboot war fantastisch. Wir konnten unzählige bunte Fische und Korallen sehen, vergleichbar mit einem Aquarium. Einen solchen Anblick kannte ich sonst nur aus TV und bunten Magazinen. Die Korallen begannen schon 50 m vom Strand entfernt, so dass man ohne Probleme vom Strand losschnorcheln konnte. Mitten im Riff haben wir an einer korallenfreien Stelle geankert und wir sind schnorcheln gegangen. Einer der ca. 20 Passagiere an Bord hat sogar einen kleinen Hai gesehen. Daneben gab es viele Rochenarten, Baramundis und andere regenbogenbunte Fische. Das Wasser bot in der Hitze eine angenehme Abkühlung. Zurück an Bord haben wir die Fische gefüttert. Es waren hunderte unter und neben dem Boot, sie sprangen sogar aus dem Wasser. Ein Fisch hat einem Mitfahrer sogar in den Finger gebissen.

An Land zurück durfte man die Schnorchelausrüstung gegen ein Pfand den ganzen Tag benutzen, so dass wir den Nachmittag mit Schnorcheln im Korallenriff verbracht haben, natürlich nicht ohne uns vorher erneut intensiv mit Sonnenschutz einzucremen. Abends hatte ich Heisshunger auf einen richtigen Hamburger. Nach einigem Herumsuchen habe ich im nahegelegenen Hotel einen bekommen.

08.05.1999 (Sa) Coral Bay (Whale Shark Cruise)

Für diesen Tag hatten wir die ganztägige Bootstour gebucht, um den Walhai zu sehen. Vom Campingplatz war es nur ein kurzer Weg zu Fuß zum Tauchgeschäft des Veranstalters. Zuerst wurden wir mit einem Neoprenanzug ausgestattet. Ich wollte erst keinen anziehen, aber der Tauchleiter hatte mir angeraten, einen zu tragen, weil ich mir ansonsten im Wasser aufgrund der Sonneneinstrahlung die Haut verbrennen könnte. Sie hatten sogar Taucherbrillen in meiner Brillenstärke dort. Flossen und Schnorchel gab es natürlich auch dazu.

Mit dem Bus wurden wir den ca. 500 m langen Weg zum Strand gefahren und mit dem Schlauchboot auf das hochseetüchtige Boot gebracht. Im Zick-Zack-Kurs durch die Korallenriffe sind wir in den indischen Ozean hinausgefahren. Dort hatten wir die erste Gelegenheit, ins Wasser zu springen. Auch im Ozean war das Wasser angenehm warm. Im glasklaren Wasser sah man ungefähr 30 – 40 m weit und tief.

Gegen 10 am ist ein Flugzeug gestartet und hat von oben nach dem Walhai Ausschau gehalten. Zwischendurch gab es auf dem Boot einen kleinen Imbiss und kalte Getränke waren auch immer vorrätig. Anfangs wurde kein Walhai gesichtet und der kleine Sportflieger kreiste immerzu über uns. Ich hatte somit Gelegenheit, einige der 15 Mitfahrenden kennenzulernen. Zwei Paare aus Österreich und Deutschland, eine Frau aus Kanada und mehrere Amerikaner.

Wir waren alle sehr gespannt, ob wir einen Walhai sehen würden. Garantiert werden konnte das nicht und Walhaie sind scheu und selten, so dass schon viel Glück dazu gehört, einen zu sehen. Wenn wir jedoch keinen Hai sehen würden, hätten wir am folgenden Tag nochmals an einer Tour teilnehmen können. Aber ein Begleiter sagte, dass sie in den letzten 14 Tagen jeden Tag mindestens einen Walhai sahen. Das beruhigte uns. Über die Sicherheitsrichtlinien wurden wir informiert: Wir durften nicht vor dem Walhai schwimmen, sondern höchstens auf Seitenflossenhöhe und nicht näher als 4 m an die Schwanzflosse heran, weil man sich durch einen Schlag mit der Flosse ernsthaft verletzen kann. Weiterhin durften nicht mehr als 10 Schnorchler gleichzeitig ins Wasser, da der Hai eingeschüchtert werden würde.

Gegen 11 am wurde die Position eines Walhais vom Flieger durchgegeben und das Boot ist mit Full-Speed auf die Position zugerast. Es war schon ein gehöriger Wellengang und wir wurden mächtig durchgeschüttelt. Ich habe mich gewundert, wie schnell das Boot plötzlich war. Bisher waren wir wohl nur mit halber Kraft gefahren. Schade war, dass Günter schrecklich Seekrank wurde und die weitere Tour nur qualvoll überstanden hat. An der Position angekommen, ist die erste Gruppe Schnorchler ins Wasser gesprungen. Leider war ich in der zweiten Gruppe und musste noch etwas warten. Doch der Hai wurde von den Schnorchlern eingeschüchtert und verschwand in der Tiefe.

Es dauerte ca. eine ¼ h, bis der Flieger das Auftauchen des Walhais meldete und wir zu dieser Position fuhren. Diesmal war ich dran, doch als ich ins Wasser sprang, konnte ich den Umriss des Hais nur schemenhaft erkennen: Er war schon wieder untergetaucht. Da der Wellengang enorm war, hatte ich Schwierigkeiten wieder auf das Schiff zu gelangen, aber einer der Begleiter zog mich hoch. Beim dritten Sichten nach einer weiteren ¼ h blieb der Hai tatsächlich an der Wasseroberfläche, da er sich vermutlich an uns gewöhnt hatte. Wir sind fast 45 min. neben ihm hergeschwommen. Es ist ein graziöser Anblick: Der Fisch bewegte sich sehr langsam, so dass man die Geschwindigkeit mitschwimmen konnte. Das Maul war weit aufgerissen, um Plankton aus dem Wasser zu filtern, am Bauch schwammen etliche kleine Fische. Die Länge des Walhais schätzte ich auf ca. 12 m und er war damit einer der größten.

Einer der Tourleiter schwamm mit gehobener Hand hinter dem Hai her, damit wir nicht die Orientierung verloren. Ich war etwas abseits geraten und hielt nach der Hand des Leiters Ausschau. Als ich ihn geortet hatte, ging ich wieder mit dem Kopf unter Wasser und beeilte mich zu der angepeilten Position zu schwimmen. Als ich ein weiteres Mal hoch schaute, war ich schon zu weit geschwommen. Der Leiter war ca. 20 m von mir entfernt und schrie zu mir herüber: "look behind you". Als ich mich unter Wasser umschaute, fiel mir das Herz in die Hose: Der Hai schwamm direkt auf mich zu und war nur noch wenige Meter von mir entfernt. Ich bemühte mich, zur Seite wegzuschwimmen und der Walhai drehte in die entgegengesetzte Richtung ab. Ich kam mit dem Schrecken davon.

Walhai

Nachmittags sind wir in das Riff gefahren und hatten noch Gelegenheit an einer schönen Stelle im Riff zu schnorcheln oder zu tauchen. Zum Abschluss gab es auf dem Boot ein reichhaltiges Buffet mit tropischen Früchten. Zurück an Land konnten wir uns im Geschäft der Taucher bei einer kühlen Dose Bier das Video anschauen, das sie mit einer Unterwasserkamera aufgenommen hatten. Das Video sah toll aus, aber es sollte A$ 45 kosten, deshalb kaufte ich nur einige Postkarten. Im nachhinein bereue ich, dass ich mir dieses Video nicht gegönnt habe, denn diesen Riesenfisch zu sehen war ein Erlebnis, an das ich mich ein Leben lang erinnern werde.

Wir planten ursprünglich nach Exmouth (ca. 150 km nödlich) zu fahren, aber die Stadt war vor einigen Monaten von einem Wirbelsturm verwüstet worden. Die Walhai-Tour, die wir erst von Exmouth unternehmen wollten, hatten wir schon erlebt. Wir entschieden uns, am nächsten Tag nach Tom Price zu fahren.

09.05.1999 (So) Coral Bay – Tom Price (659 km)

Auf dem Weg nach Tom Price sind wir durch eine wunderschöne, menschenverlassene und trockene Steppe gefahren. Wir sahen Tafelberge mit rotem Gestein, Kängurus und einige Greifvögel, die sich über die zahlreichen am Straßenrand liegenden totgefahrenen Kängurus hermachten.

In den Strassen waren Eisenbahnschwellen quer eingelassen, die wir aus Angst um die Reifen des Wagens sehr langsam überquerten. Wir stellten jetzt fest, dass das Material weniger beansprucht wird, wenn wir die Schwellen mit hoher Geschwindigkeit überqueren, denn dann fliegt man über die Rillen hinweg. Nach langem Rätseln, was diese sehr häufig auftauchenden Grids zu bedeuten haben, erklärte uns jemand, dass diese Begrenzungen zwischen den Stations das Vieh von der Überquerung abhält. Es gab auch Grids, die einfach nur auf die Strasse aufgemalt waren mit gleichem Erfolg.

Tom Price liegt am Fuß des Mt. Tom Price und hat einen schönen Campingplatz mit Swimmingpool, die Stadt selber ist weniger interessant und fast reine Industriestadt. In der Region wird viel Erz abgebaut. Auf dem Campingplatz hatten wir abends und morgens Besuch von etlichen Cockatoos und Tauben, die lautstark über unsere Essensreste herfielen. Wir sind nur eine Nacht geblieben.

10.05.1999 (Mo) Tom Price – Eighty Mile Beach (727 km)

Durch den Karijini Nationalpark, wo man viele Schluchten, Berge und Termitenhügel sehen konnte, sind wir die ewig lange und langweilige Strecke auf der Highway 95 nach Port Hedland gefahren. In Port Hedland haben wir fürs Mittagessen Stopp gemacht. Port Hedland ist auch Industriestadt: Wir konnten viele Salzlagunen und Güterzüge sehen, die mehrere Kilometer lang waren.

Auf dem Weg zur Eighty Mile Beach (auch Eco-Beach) haben wir einen Road Train der längeren Sorte überholt. Es war ein gefährliches Unterfangen, denn je weiter wir uns dem Bug des Straßenzuges näherten, desto näher wurden wir durch den Sog an den Laster herangezogen.

Von der Highway 1 bis zum Campingplatz an der Eighty Mile Beach waren es noch ca. 10 km Gravelroad, die aber gut mit unserem 2 WD zu bewältigen war. Am Straßenrand haben wir wieder einige wilde Kühe gesehen, die man besser nicht provozieren sollte, wie uns erzählt wurde. Der Strand soll insgesamt über 260 km lang sein und ausser der wenigen Camper vom Campingplatz war es absolut leer. Am Strand gab es sehr schöne Muscheln, von denen ich am nächsten Morgen einige aufsammeln wollte.

11.05.1999 (Di) Eighty Mile Beach – Broome (411 km)

Um 6 am bin ich aufgestanden, weil mich die Moskitos genervt haben. Der ewig lange Strand lag gleich hinter einer Düne, an dem ich mir den Sonnenaufgang ansah und einige schöne Muscheln suchte. Nach dem Frühstück sind wir in Richtung Broome weitergefahren. Ca. 50 km vor Broome sahen wir Wolken am Horizont und wir wunderten uns, denn wir hatten seit etlichen Tagen keine gesehen. Je näher wir kamen, desto merkwürdiger sahen die Wolken aus. Irgendwann stellten wir fest, dass Rauchschwaden vom Buschfeuer den Himmel bedeckten und die Sonne war nur noch als schwach leuchtende Scheibe zu erkennen.

Buschfeuer vor Broome

Broome ist eine schöne Stadt mit vielen Palmen, einem tropischen Klima und viel rotem Sand. Beim Italiener in einem klimatisierten Einkaufszentrum haben wir uns Salat, Chips und Bacon Pie genehmigt, da wir schon mehrere Tage aus dem Kühlschrank gelebt hatten. Im Touristenbüro haben wir uns nach lokalen Attraktionen umgeschaut und eine Geländewagentour für den nächsten Tag gebucht. Das Internetcafé war leider total überfüllt. Von mehreren Campingplätzen haben wir uns einen schönen direkt am Meer unter Palmen ausgesucht. Abends konnten wir uns über das Geschehen in der Welt erkundigen, da wir wieder TV-Empfang hatten. Auf den Strecken über Land hatten wir meist keinen Radioempfang, selbst ein Mittelwellensender war nicht zu finden.

12.05.1999 (Mi) Broome

Gegen 9 am sind wir in die Stadt gefahren um einzukaufen, ins Internetcafé zu gehen, die Post zu erledigen etc. Ein Ziel war der Malcolm Douglas Crocodile Park. Seine Serie im Fernsehen hatte ich immer verfolgt und ich hoffte, ihn vielleicht dort zu sehen. Eine Touristin hatte am Tag zuvor ins Gästebuch geschrieben, dass sie Malcolm gesehen und die Hand gegeben hätte. Günter meinte, ihn bei einem Haus hinter dem Park gesehen zu haben, ich habe ihn leider nicht gesehen. In dem Park gab es viele Prachtexemplare von Alligatoren, Frischwasser- und Salzwasserkrokodilen, wobei letztere von besonders massivem und teilweise zerbeultem Maschendraht eingezäunt waren, was auf deren Gefährlichkeit schließen ließ. Zudem wurde man durch viele Warnschilder zur Vorsicht ermahnt. Leider haben wir keine Fütterung gesehen, wir konnten aber mit der Kassiererin einen Deal aushandeln, so dass wir am nächsten Tag nochmals in den Park durften.

Gegen 1 pm hat uns Walter vom Campingplatz für die 4WD Tour abgeholt. Günter und ich waren die einzigen in seinem Geländewagen, der einiges größer als z.B. ein Mercedes 250 GD war. Mit 70 - 80 km/h ging es über eine Gravel-Road in den Busch. Als uns auf der Gravel-Road ein Road-Train entgegen kam, konnten wir einige Momente nichts mehr sehen und Schotter flog uns um die Ohren. Walter hatte vorsichtshalber schon das Seitenfenster geschlossen. Er kannte die Strecke genau und er sagte, es wäre sein "Track", womit er meinte, dass er die Spuren durch die Steppe gefahren hätte. Walter hat uns einige Vögel gezeigt und uns einiges über die Pflanzen im Busch erzählt. So konnten wir auch einige schmackhafte Beeren probieren, haben am Tea-Tree geschnuppert, der nach Zitrone roch, einige Flaschenbäume (Baobab) und Schlangenspuren gesehen. Fast hätten wir auf der Gravel-Road ein Wallabie überfahren, das plötzlich von der Seite aus dem Busch kam.

13.05.1999 (Do) Broome

Den Vormittag haben wir auf dem Campingplatz verbracht und mit unseren neu erworbenen Campingstühlen im Schatten der Palmen gesessen und gelesen. Der Campingplatz lag direkt an einem Strand und an dem schönen roten Sandstrand wollte ich in dem warmen, klaren Wasser eigentlich schwimmen gehen. Uns wunderte nur, dass seitdem wir dort waren kein Mensch im Wasser zu sehen war. Ich kam auf die Idee, den roten Sandstrand, der teilweise auch mit Mangroven bewachsen war, auf Video festzuhalten. Dazu ging ich den Strand entlang, um zu einem Steg zu gelangen, der ins Meer führte. Dann sah ich, warum hier keiner schwamm: Angeblich wurde hier ein Krokodil gesehen. Box Jelly Fish (Würfelquallen) sollte es nur bis April hier geben, dennoch habe ich gehört, dass selbst im Mai noch Schwimmer eine lebensgefährliche Berührung mit den meterlangen Tentakeln der Quallen hatten. Es war also gesünder, hier nicht schwimmen zu gehen.

Am späten Vormittag sind wir in die City gefahren. Ich wollte mir die Haare schneiden lassen und hatte mir zum Ziel gesetzt, nicht mehr als A$ 10 auszugeben. Im ersten Frisörladen sollte es 12 A$ kosten. Für mein Budget wollten sie es nicht machen. Der zweite Frisörladen wollte A$ 16 haben und der dritte Frisör, den ich gefunden habe, wollte sogar A$ 25 haben. Also bin ich zum ersten Frisör zurückgegangen. Mit der Frisörin mit entfernter deutscher Verwandtschaft habe ich mich gut unterhalten können. Schließlich sagte sie, ich hätte so wenig Haare, da wären A$ 10 angemessen. Hihi!

Um 3 pm haben wir uns die Krokodilfütterung angesehen. Sehr interessant und informativ, denn der Tierpfleger erzählte viel über die Tiere. Man durfte sogar ein kleines Krokodil streicheln. Einige große Krokodile wurden mit einem Ball provoziert, um deren Schnelligkeit und Aggressivität zu zeigen. Wer bisher diese Tiere für wenig gefährlich gehalten hat wird nach dieser Show garantiert anders denken.

Zurück in der City besuchten wir das Open Air Kino, das mit Liegestühlen ausgestattet ist und durch eine Ausstellung von alten Plakaten und Vorführgeräten die Qualität eines Museums hatte. Nach Burger und Bier bei Chicken Treat sind wir zum Campingplatz zurückgefahren.

14.05.1999 (Fr) Broome – Fitzroy Crossing (572 km)

Von Broome aus sind wir nach Derby gefahren. Ca. 7 km vor Derby steht der Baobab Prison Tree. Der ausgehöhlte Flaschenbaum mit einem Umfang von 14 m und einem Alter von über 1500 Jahren diente als Gefängnis. Als wir dort ankamen, war gerade ein Fernsehteam dort und hat Aufnahmen gemacht. In dem Baum war Platz für eine ganze Familie und es war angenehm kühl. Nach einem Kaffee in Derby ging die Fahrt weiter durch die Steppe nach Fitzroy Crossing (FC). Dort angekommen sind wir ins Touristenbüro gegangen. Eine Tour für Windjana Gorge und Tunnel Creek war leider kurzfristig nicht zu buchen, aber für den nächsten Tag wurde ein Bushwalk mit einem Aborigine angeboten, den wir gleich buchten (1 ½ h für A$ 15). Zugleich haben wir einen Hubschrauberrundflug von Turkey Creek über den Bungle Bungle Nationalpark gebucht, da man hier mit Kreditkarte bezahlen konnte (1 h für A$ 170). Vor Ort hätten wir bar bezahlen müssen. Von den zwei oder drei Campingplätzen haben wir uns den besten aber auch teuersten ausgesucht, doch so hatten wir die Möglichkeit, einen Pool zu benutzen.

Floodway

Während Günter schwimmen gegangen ist, bin ich zum ca. 30 km entfernten Geikie Gorge gefahren. Auf dem Weg dorthin habe ich den ersten Floodway überquert, der tatsächlich noch überschwemmt aber ohne Probleme zu durchqueren war. Alle anderen Überschwemmungstiefen der Strassen waren wegen der im April beginnenden Trockenzeit trocken. In der farbenprächtigen Schlucht habe ich eine Wanderung unternommen. Der Wanderweg führte durch einen Monsunwald (Regenwald mit viel wildem Wein) zum Ufer des Fitzroy River.

15.05.1999 (Sa) Fitzroy Crossing

Um 8 am holte uns Dillan vom Campingplatz für den Bushwalk ab. Ausser Günter und ich war ein australisches Ehepaar dabei. Dillan ist Häuptling seines Stammes und machte diese Bushwalks dieses Jahr zum ersten Mal. Er sagte, er spiele Didj, aber leider hatte er keines dabei. Dillan fand einige Schlangen- und Guannaspuren, erklärte uns Bäume und Sträucher und wie sie von den Aborigines genutzt werden. Am Fitzroy River haben wir uns ans Ufer gesetzt und Dillan erzählte uns einige Geschichten aus seinem Leben. Im Gespräch stellte sich heraus, dass es erst Mitte der 90er Jahre ein höchstrichterliches Urteil in Australien gab, mit dem die Aborigines das Eigentumsrecht an ihrem eigenen Land zurückerhalten haben. Die Nationalparks und Minengebiete wurden jedoch für 100 Jahre an die Weissen verpachtet. Dieser Bushwalk war ein Highlight in meinem Australienurlaub, denn ich habe viel über die Aborigines von einem Aborigine erfahren.

Mittags sind wir im Pool schwimmen gegangen. Der Bottleshop des Ortes, wo ich etwas Bier kaufen wollte, lag etwas ausserhalb des Ortes. Auf dem Weg dorthin war es ein niederschmetternder Anblick, wie viele Aborigines an der Strasse betrunken herumtaumelten. In der Nähe des Bottleshop sahen wir viele Aborigines im Schatten der Bäume sitzen. Meist konnte man im langen Steppengras nur die Köpfe sehen.

Während Günter eine Flussfahrt durch den Geikie Gorge unternahm, habe ich eine weitere Wanderung durch die schöne Natur unternommen. Günter hatte an dem Fluss einige Frischwasserkrokodile gesehen. Auf der Fahrt zurück ins Dorf haben wir an der Strasse einen etwas verwirrten Dingo gesehen. Ein seltener Anblick, da die Tiere sehr scheu sind und sich normalerweise nicht in Gebiete begeben, wo Menschen sind.

16.05.1999 (So) Fitzroy Crossing – Turkey Creek (497 km)

Auf dem Weg nach Turkey Creek machten wir in Halls Creek Pause für einen kleinen Imbiss, zum Tanken und sind zur Chinese Wall gefahren, eine ca. 6 km lange weiße natürliche Felswand, an der ich ein Stück entlang gewandert bin. Günter war überhaupt nicht begeistert, dass ich die sehr rauhe und felsige Gravel Road runtergefahren bin, aber der Campervan hat’s überlebt.

In Turkey Creek gab es nur einen Campingplatz. Der Platz am Roadhouse sah nicht gerade einladend aus. Der Swimmingpool lag auch trocken: "Not available" hieß es. Aber es war der einzige im Ort und wir mussten hier bleiben, denn am nächsten Tag startete der Hubschrauberflug von hier. Der ganze Ort schien fast nur aus dem einen Roadhouse zu bestehen. Auf dem Nachbarplatz kampierten zwei Holländerinnen, die sich einen alten Van gekauft hatten und schon einige Monate in OZ und Neuseeland unterwegs waren. Am Abend haben wir uns zum Klönen zusammengesetzt.

17.05.1999 (Mo) Turkey Creek – Kununurra (230 km)

Um 7.40 am sind Günter und ich zum Hubschrauberplatz gleich neben dem Campingplatz gegangen. Der Motor musste vor dem Start des ersten Fluges warmlaufen. Es hörte sich anfangs so an, als wenn wir nicht lange in der Luft bleiben würden, denn der Motor hatte einige Aussetzer. Es war aber ein sehr ruhiger Flug mit fantastischen Ausblicken auf den Bungle Bungle Nationalpark, die vielen Schluchten und die Bienenkörbe (Felsformationen die von oben so aussehen). Da keine Fenster an den Seiten des Helikopters waren, war es äusserst windig im Innerraum. Ich hatte Mühe, den Camcorder ruhig zu halten. Auch wenn der Flug nicht gerade günstig war, es war das Erlebnis allemal wert.

Bungle Bungle Beehives

In Kununurra haben wir einen schönen Campingplatz direkt am See gefunden, der Swimmingpool gleich nebenan. Einige imposant große und alte Flaschenbäume standen auf dem Platz. Am See habe ich die erste lebendige Schlange gesehen, eine ca. 50 cm lange Wasserpython. Wahrscheinlich hat sie sich genauso erschrocken wie ich und verschwand gleich im Wasser.

Abends holten wir uns eine Erfrischung im Pool. Unsere Campingnachbarn kamen aus Hamburg: Ein älteres Ehepaar, die sich in OZ fast ohne Englischkenntnisse durchkämpften. Nach deren Meinung ließ ja die Sauberkeit in Australien stark zu wünschen übrig: "Überall der rote Sand, aber da können die ja auch nichts für." Günter und ich mussten uns das Lachen verkneifen.

18.05.1999 (Di) Kununurra – Katherine (544 km)

Auf dem Weg nach Katherine sind wir an einigen Waldbränden vorbei in den Northern Territory hineingefahren und haben den Staat Western Australia verlassen. Wir hatten vorsorglich alles Obst und Gemüse verzehrt, da man diese wegen Verschleppung von Keimen und Ungeziefer nicht mit über die Grenze nehmen darf. Die Grenze konnten wir ohne Kontrolle passieren, denn es war dort weit und breit kein Mensch zu sehen.

Nach dem Grenzübergang haben wir unsere Uhren wie im Reiseführer angegeben 2 h vorgestellt. Als wir wieder Radioempfang hatten, stellten wir fest, dass wir nur 1 ½ h hätten vorstellen dürfen. Dadurch wurde uns von diesem Tag zwar 1 ½ h genommen, aber es blieb abends bis nach 6 pm hell, was sich als ganz angenehm herausstellte.

Der Campingplatz in Katherine stellte sich als sehr komfortabel heraus, denn unser Stellplatz war nicht nur schattig unter Bäumen, sondern es gab auch einen Swimmingpool und ca. 500 m hinter dem Campingplatz eine heisse Quelle. Im Anmeldebüro des Campingplatzes haben wir eine 8 h Bootstour im Katherine Gorge gebucht für A$ 73. Da ich nicht wusste, ob in Alice Springs Touren für den Uluru kurzfristig zu buchen sind, habe ich auch gleich eine 3 Tages Tour von Alice Springs nach Uluru (Ayres Rock), Olgas und Kings Canyon gebucht.

In einem Didjeridu-Laden im Dorf habe ich das beste Didj meiner Reise gefunden: Ein Eukalyptusrohr mit ca. 15 cm Durchmesser und einem trichterartigen Mundstück. Das Instrument hatte einen satten, tiefen und lauten Klang. Der Preis war dementsprechend: A$ 390 und ohne Bemalung. Da ich nicht wusste, wie ich das Ding transportieren sollte und auch ein Versand nicht möglich war, musste ich es stehen lassen – leider -.

Hot Springs Katherine

Abends sind wir zu der heissen Quelle hinter dem Campingplatz gegangen und haben im dem warmen und glasklaren Wasser ein Bad genossen. Auf dem Campingplatz lernten wir ein nettes älteres Paar aus Sydney kennen, die an unseren bisherigen Erfahrungen interessiert waren. Beim Smalltalk mit Nachbarn auf den Campingplätzen, mit denen man schnell in Kontakt kam, ging es hauptsächlich um folgende Themen: Von woher kommt ihr? Was habt ihr in OZ schon gesehen? Wo fahrt ihr jetzt hin? Wir fahren morgen nach... usw.

19.05.1999 (Mi) Katherine

Bereits um 6 am sind wir aufgestanden, weil wir laut Buchungsbeleg um 8 am am Katherine Gorge Bootsanleger für die Bootstour sein mussten und es waren von Katherine aus noch ca. 30 km zu fahren, allerdings auf asphaltierter Strasse. Um 8 am waren wir am Bootsanleger, aber dort war noch kein Betrieb. Ein Herr sagte uns, dass die Bootstouren alle um 9 am beginnen. Die Frau auf dem Campingplatz hatte sich anscheinend in der Zeit versehen. Wir haben die Gelegenheit genutzt und sind den Steilhang am Katherine Gorge hochgeklettert und hatten eine schöne Aussicht über das Land. Der anschließende Wanderweg war allerdings länger als wir dachten: ca. 5 km, so dass wir uns beeilen mussten, um das Boot zu erreichen.

Katherine Gorge

Die Boote starteten alle um 9 am und es waren etwa 100 Leute dort. Andere Touris mieteten sich Kanus und paddelten durch die Schlucht, was auch bestimmt interessant gewesen wäre. Die meisten hatten aber die 2 h oder 4 h Tour gebucht, so waren wir ca. 10 Leute im Boot für die Ganztagestour. Wir fuhren mit dem Boot schluchtaufwärts. Nach ca. ½ h Fahrt hieß es raus aus dem Boot um über Felsen zu klettern zum Boot in der nächsten Schlucht. Zwischen den Schluchten befinden sich Felsbarrieren mit Stromschnellen, die nicht mit dem kleinen Boot zu überwinden gewesen wären. Insgesamt mussten wir ca. fünfmal umsteigen, bis wir unser Ziel erreichten: Eine idyllische Bucht wo unser Guide ein BBQ bereiten wollte. Dort waren keine weiteren Touris und ebenso keine Frischwasserkrokodile anzutreffen, die wir in der ersten Schlucht noch gesehen hatten. Hier konnten wir in dem angenehm kühlen Wasser bedenkenlos baden .

Ich hatte meine Schwimmbrille dabei und als ich mit dem Kopf unter Wasser ging, erschrak ich, als ich dort einige bis zu 50 cm lange Fische sah, die nicht gerade freundlich aussahen. Ich war sofort wieder aus dem Wasser heraus. Auf Nachfragen erklärte mir der Guide, es seien Catfish, die zwar Fleischfresser seien aber keinem Menschen etwas zuleide tun. Mit etwas kribbeln im Magen bin ich wieder ins Wasser gestiegen und letztendlich mit heiler Haut auch wieder herausgekommen. Nach dem BBQ haben wir die Fleischreste an die Fische verfüttert, die uns aus der Hand fraßen. Es versammelten sich etliche große Fische vor uns, darunter einige Prachtexemplare von Catfish und Baramundi.

Auf dem Rückweg hielten wir bei einem hohen Wasserfall. Der Wasserfall mündete in einem kleinen See, in dem man auch wunderbar baden konnte. Gleich ein Stück weiter in der Schlucht sahen wir Felsmalereien. Am Bootsanleger hatte sich in einem Baum eine Schar von Flughunden eingenistet, die man schon von weitem an ihrem Fäkalgeruch und den fiepsigen Geräuschen bemerkte. Vom Bootsanleger zum Parkplatz war es nur ein kurzes Stück zu Fuß. Am Straßenrand saß ein kleines Wallaby, das uns genau beobachtete.

An der Strasse von Katherine Gorge nach Katherine hatte ich schon auf dem Hinweg eine Didj-Werkstatt gesehen. Wir hielten dort. Der weisse ältere Herr mit rauher Stimme, der etwas ungepflegt aussah, zeigte mir, wie er die hohlen Eukalyptusstämme bearbeitete und hatte bestimmt 50 Rohlinge hinter seinem Haus liegen. Die Didjeridus waren recht günstig und der Herr wollte mir gerne eines verkaufen. Da aber die Bemalung und der Sound nicht besonders gut waren, habe ich mich für seine Ausführungen bedankt und bin wieder gegangen.

Abends ist uns klar geworden, dass die Tagestour im Katherine Gorge eines der großen Highlights unserer Reise war und wir waren froh, die 8 h Tour und nicht eine kürzere gemacht zu haben.

20.05.1999 (Do) Katherine

Da Günter den Tag etwas ruhiger angehen wollte, ist er in Katherine Shopping gegangen. Ich wollte unbedingt die Edith Falls sehen und bin die 100 km alleine dorthin gefahren. In dem Gelände rund um die drei aneinander anschließenden kleinen Wasserfälle konnte man wunderbar wandern. Im oberen und unteren Pool war das Baden erlaubt. Ich habe nach der anstrengenden zweistündigen Wanderung im unteren größeren Pool Abkühlung gesucht.

Um 1.30 pm haben Günter und ich uns zufällig im Dorf getroffen, obwohl wir uns eigentlich für später verabredet hatten. Nach einem Red-Rooster Burger und Milchshake im Fast Food Restaurant haben wir den Nachmittag am Pool und in der warmen Quelle verbracht.

Abends wurde direkt vor unserem Stellplatz ein Projektor aufgebaut. Das Toilettenhäuschen wurde zur Leinwand umfunktioniert. Wir Camper, insbesondere die Kinder waren begeistert und konnten einen netten Zeichentrickfilm sehen.

21.05.1999 (Fr) Katherine – Darwin (510 km)

Auf der Fahrt nach Darwin wollten wir noch durch den Litchfield Nationalpark fahren. Auf der Highway von Katherine nach Darwin fuhr ein Road Train vor uns. Das Risiko, diesen zu überholen, wollten wir nicht erneut eingehen, deshalb haben wir den nächsten Rastplatz angefahren. Dort saß ein Radfahrer alleine an einem Tisch und aß einen Apfel. Wir gesellten und zu ihm und kamen ins Gespräch. Er war gerade auf dem Weg von Darwin nach Alice Springs (1.500 km) und wollte dann weiter zur Ostküste und wieder zurück nach Darwin, wo er wohnt. Dafür brauchte er ca. 6 Monate und er war die Strecke schon 24 mal gefahren. Das alles hörte sich unglaubwürdig an, aber es machte nicht den Eindruck, dass er uns verarschen wollte, schließlich hatten wir schon mehrere Radfahrer mitten in der Steppe gesehen und haben uns gewundert, wie ein Mensch solche Entfernungen in menschenleerer Gegend mit dem Rad überwinden kann. Die Aborigines sind früher und vielleicht auch jetzt noch zu Fuß gegangen, somit bestimmt eine Möglichkeit, das Land intensiv zu erleben.

Ca 100 km vor Darwin sind wir von der Highway in den Litchfield Nationalpark abgebogen. Der Park kostete keinen Eintritt und die Strasse ist durchgehend geteert. Den ersten Stopp haben wir bei den Magnetic Termite Mounds gemacht, wo einige imposante bis zu 6 m hohe Termitenhügel stehen. Von einer anderen Termitenart werden die Termitenhügel in Nord-Süd-Richtung gebaut, um morgens und abends die Sonne von der Breitseite zum Wärmen zu bekommen und mittags eine möglichst kleine Fläche angestrahlt wird. Zweiter Anlaufpunkt waren die Florence Falls. In dem See unter den beiden Wasserfällen bin ich schwimmen gegangen. Die Buley Rockholes danach waren weniger imposant, sondern es waren badewannengroße Löcher im Felsen, die der Bach ausgespült hatte, wo man ebenfalls baden konnte. Interessant war, dass neben einem Pool im Schatten ein ausgewachsener Guanna lag, der sich von den Badegästen überhaupt nicht stören ließ.

Termitenhügel

Die beiden weiteren Wasserfälle Tolmer Falls und Wangi Falls haben wir uns nur angeschaut, da das Baden dort zum Schutz der dort lebenden Flughunde nicht erlaubt war. Um 4 pm beschlossen wir, nach Darwin zu fahren. Wir mussten den gleichen Weg durch den Nationalpark zurückfahren, da die kürzere Strecke von den Wangi Falls nach Darwin nicht geteert war. In Darwin haben wir den teuersten und schlechtesten Caravanpark unserer Reise ausgesucht. Der Platz kostete A$ 19, es war eng und direkt am Flughafen gelegen aber der einzige relativ zentrale Platz.

22.05.1999 Darwin – Ubirr (345 km)

Auf dem Campingplatz konnten wir den Wagen waschen, denn wir mussten den Wagen gereinigt zurückgeben. Eigentlich hatten wir den Wagen bis zum 24.05.1999 gemietet, aber Günter hatte seine Flüge umbuchen können und wollte nach Sydney fliegen. Deshalb wollte er aus dem Mietvertrag entlassen werden. Telefonisch hatte er einige Tage zuvor bereits bei NQ, dem Autovermieter, diese Möglichkeit bestätigt bekommen. Die Station in NQ haben wir schnell gefunden, da die Stadt recht übersichtlich ist.

Auf dem Hof bei NQ stand ein Campervan, der mit unserem baugleich war. Der Wagen war an der Seite auf ganzer Breite eingedrückt. Die Frau vom Büro sagte uns, dass in der Zeit, als wir unterwegs waren, vier Campervans umgekippt waren, weil die Fahrer zu schnell gefahren waren und meistens irgendwelchen Tieren, meistens Kühe oder Kängurus ausweichen mussten. Das erinnerte uns daran, dass uns gleich am ersten Tag auch ein Känguru vor den Wagen gelaufen war und wir wirklich Glück gehabt hatten.

Mit dem Zustand unseres Wagens war die Frau gleich einverstanden ohne sich den Innenraum überhaupt anzuschauen. Günter wurde aus dem Vertrag gestrichen, so dass ich den Van allein auf meinem Namen mietete. Somit musste ich auch die Kaution von 500 A$ übernehmen. Eigentlich wollte ich den Vertrag um 2 Tage verlängern, aber es war nur noch für einen Tag möglich.

Günter hatte sich ein Hotel direkt im Zentrum von Darwin aus dem Reiseführer herausgesucht. Als wir einen kurzen Gang durch das Hotel machten, stellte er schnell fest, dass das Hotel nicht sein Geld wert war und er entschied sich für das Darwin City Lodge, das ich mir ebenfalls für meinen späteren Aufenthalt in Darwin ausgesucht hatte. Ich setzte Günter dort ab und ich reservierte gleich ein Zimmer für den 25.5.99

Dann fuhr ich in Richtung Kakadu Nationalpark. Am Parkeingang musste man Eintritt in Höhe von A$ 15 bezahlen. Über einen kleinen Stopp in Jabiru, um zu tanken und das Visitor Centre zu besuchen, bin ich weiter nach Ubirr gefahren. Dort konnte man erstaunlich gut erhaltene Felsmalereien sehen, die bis zu 23.000 Jahre alt sein sollten. Unter riesigen Felsüberhängen hatten dort bis vor 200 Jahren die Aborigines ihre Unterkünfte. Auf einige Felsen kann man hinaufklettern und hat einen fantastischen Blick über die Wetlands (Ebenen, die in der Regenzeit unter Wasser stehen) und über Arnhemland. Auf einem hohen Felsen habe ich einen grandiosen Sonnenuntergang erlebt.

Ubirr im Kakadu N.P.

In dem einzigen kleinen Geschäft in Ubirr habe ich für den folgenden Tag eine 1 ½ h Bootstour auf dem Alligator River gebucht.

Beim Ubirr Rock kann man recht unkompliziert im Busch übernachten. Sanitäre Anlagen sind vorhanden und die Ranger kommen morgens oder abends vorbei und kassieren pro Person A$ 5 ein. Allerdings war die Nacht alleine im Busch doch etwas unheimlich, denn überall raschelte es und hörte man unbekannte Tiergeräusche. Die Anzahl der Moskitos dort übertraf jede bisherige Erfahrung, so dass ich auf mein Insect Repellent nicht verzichten konnte, um abends durch den Busch zur Telefonzelle zu gehen.

Mein Campervan in Ubirr

23.05.1999 (So) Ubirr – Bark Hut Inn (350 km)

Nach einer heissen Nacht in Gesellschaft einiger Moskitos, die sich wieder in den Van geschlichen hatten, bin ich zum Bootsanleger am North Alligator River gefahren. Da ich ca. 1 h zu früh dran war, habe ich noch eine Wanderung durch den herrlichen Monsunwald am Alligator River entlang gemacht. Um 9 am startete dann die Bootstour, die unter Begleitung von 2 Aborigine-Rangern stattfand. Während der Fahrt haben wir 10 Touristen einiges über die Pflanzen, Jagdwaffen und das Didjeridu gelernt. Im Wasser des Flusses sahen wir ca. 4 der gefährlichen Salzwasserkrokodile und es wurde uns nahegelegt, nicht die Hand über den Bootsrand zu halten.

Wir haben einen kurzen Stopp am östlichen Ufer des Flusses gemacht, das zu Arnhemland gehört. Das Gebiet darf nur mit Genehmigung betreten werden, ansonsten droht eine Strafe von A$ 10.000. Die Ranger hatten aber eine Genehmigung für den Landgang. Einer der Ranger ging voran, um zu überprüfen, dass keine Salties (Salzwasserkrokodile) in der Nähe waren. Am Flussufer konnten wir an einigen Felsen Felsmalereien sehen. Nach 1 ½ h war die interessante Fahrt leider schon zuende.

Nourlangie Rock Art

Anschließend bin ich zum ca. 100 km entfernten Nourlangie Rock gefahren, wo ich auf einem Rundwanderweg von ca. 5 km die am besten erhaltene Rock Art Australiens gesehen habe. Von einem Lookout aus hatten man einen guten Fernblick bis zum Hochplateau auf Arnhemland. Weiter ging es nach Cooinda und Yellow Water, wo man schöne Überflutungsgebiete und Vögel sehen können sollte. Hier waren aber noch alle Wanderwege wegen Hochwassers gesperrt. Die nur mit einem Geländewagen zu bewältigende Strecke zu den spektakulären Twin Falls und Jim Jim Falls war wegen Überflutung der Piste noch gesperrt. Also bin ich in Cooinda zum Aboriginal Cultural Centre gegangen, um noch etwas über die Kultur der Ureinwohner zu sehen und zu lernen. Das Centre war weniger interessant und glich dem in Jabiru sehr.

Da es noch früh am Nachmittag war, habe ich auf dem Rückweg über Jabiru am Mirrai Lookout gehalten und bin den ca. 3 km langen Weg hochgeklettert. Die Aussicht von oben war nicht der "Hit", denn viele Bäume versperrten die freie Sicht. Auf der Strasse nach Jabiru begegnete ich auf der Strasse einer long-necked Turtle (Langhalsschildkröte), die sich gemächlich über die Asphaltstrasse mühte. Ich hatte zwar schon einiges über die Tiere gelesen, da auch die Aborigines diese in ihren Felszeichnungen darstellen, aber in Natura sehen die Tiere wirklich merkwürdig aus, denn der Hals ist wirklich so lang wie der ganze Panzer.

Nach einem Tankstopp in Jabiru wollte ich Adelaide River noch erreichen um am nächsten Morgen die springenden Krokodile zu sehen, aber inzwischen ging die Sonne unter und es wäre zu gefährlich gewesen, im Dunkeln weiterzufahren. Beim Roadhouse "Bark Hut Inn" hielt ich, wo es auch Stellplätze für Campervans gab.

24.05.1999 (Mo) Bark Hut Inn – Darwin (135 km)

Von Bark Hut Inn bis zum Adelaide River war es noch 1 h Fahrt. Um 8 am war ich dort und habe mir ein Ticket für die erste Tour um 9 am gekauft. Die Zwischenzeit habe ich beim Nature of Window verbracht. Das Museum liegt auf einem Berg, von dem man die Wetlands endlos überblicken kann. Im Gebäude ist eine interessante und lehrreiche Ausstellung zur Tierwelt in der Umgebung.

Auf dem Boot war der größte Teil der Passagiere deutschsprachig. Zwei befreundete deutsche Paare mussten ihre Begeisterung für die Krokodile durch lautes und penetrantes Gelaber kundtun, was ich als störend und peinlich empfand.

Jumping Crocodile

Es dauerte nicht lange, da kamen die ersten Salties (Salzwasserkrokodile) in Sicht und wurden mit einem Stück Fleisch, das an einem langen Stock an einem Faden hing, aus dem Wasser gelockt. Und tatsächlich, die Krokodile sprangen bis über 1 m aus dem Wasser heraus, um nach dem Fleisch zu schnappen. Auf der ca. 1 ½ h dauernden Tour haben wir bestimmt 20 bis 30 dieser riesigen und gefährlichen Tiere gesehen. Die meisten waren bekannte Stammgäste der Bootscrew und hatten Kosenamen.

Auf dem Weg Richtung Darwin habe ich einen Abstecher zum Fogg Dam gemacht, ein Sumpfgebiet, wo unheimlich viele Vögel zu sehen waren und ein ca. 3,5 km langer Wanderweg zum Teil auf Stegen durch den Monsunregenwald führt. Hier war es sehr ruhig und gemütlich, denn das Gebiet war nicht von Touristen übervölkert.

Einen weiteren Stopp habe ich beim Howard Springs Nature Park gemacht. Hier habe ich einige Wallabies gesehen und in dem See, der von einer warmen Quelle gespeist wird, konnte man herrlich schwimmen und viele Fische beobachten, darunter auch wieder die großen Baramundis. Anschließend bin ich wieder zu dem Campingplatz gefahren, wo wir einige Tage zuvor bereits waren. Der war zwar nicht so toll, aber ich musste nicht weiter suchen und wusste, dass ich den Wagen dort waschen konnte.

25.05.1999 (Di) Darwin

Auf dem Caravanpark in Darwin habe ich den Van gewaschen und ausgefegt und meine Habe in den Rucksack gequetscht. Die Campingstühle, die wir während der Fahrt gekauft hatten, einen 10 l Kanister für Wasser und das restliche Toilettenpapier habe ich neben einen Mülleimer gestellt, weil ich nicht wusste, wohin damit. Es dauerte nicht mal 3 Minuten und es kam ein vollbärtiger Herr auf mich zu und fragte, ob er die Stühle haben dürfte. Überglücklich ging er mit seinen Stühlen zu seinem Wagen zurück.

Da ich den Wagen erst nachmittags abgeben musste, habe ich den Vormittag für eine Stadtrundfahrt genutzt. Im riesigen Casuarina Shopping Square habe ich zu Mittag gegessen und einige Souvenirs gekauft. Dann wollte ich beim Darwin City Lodge mein Gepäck in dem reservierten Zimmer abladen. Doch Daniel, der Hostel-Betreiber, hatte trotz Reservireung kein Einzelzimmer mehr für mich frei und bot mir als Alternative ein Bett im Dorm (Acht-Bett-Zimmer) an. Das war mir für mein Gepäck zu unsicher. Daniel war die Situation sichtlich peinlich und bot mir als weitere Alternative an, beim nächsten Backpackers "Gecko Lodge" ein Zimmer zu nehmen und am folgenden Tag zurückzukehren, da er mir günstiger (A$ 25) ein Zimmer geben wollte. Das Gecko Lodge war gleich ein Haus weiter und dort habe ich für eine Nacht ein Zimmer für A$ 35 bekommen. Da das Zimmer sehr dunkel und es nachts laut war, beschloss ich, am folgenden Tag zum Darwin City Lodge umzuziehen.

Beim NQ, dem Autovermieter, habe ich den Wagen zurückgegeben. Für den einen Verlängerungstag musste ich nachzahlen und die liebe Frau im Büro hatte mir vor einigen Tagen gesagt, dass ich den Wagen für den gleichen Preis bekommen würde, den wir in Deutschland gezahlt hatten. Ich hatte umgerechnet, dass wir pro Tag ohne Versicherung ca. DM 44,-- gezahlt hatten. Jetzt sollte ich für den einen Tag DM 60,-- bezahlen, womit ich nicht einverstanden war. Nachdem die Frau den Preis aber aus der Zentrale in Cairns telefonisch bestätigt bekam und der normale Preis bei ca. DM 100 lag, habe ich doch gezahlt. Die Sauberkeit des Wagens hat sie nicht einmal mehr überprüft, das war also 'easy'. Insgesamt waren Günter und ich mit dem Wagen in den 3 ½ Wochen knapp 8.000 km von Perth nach Darwin gefahren.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt bin ich durch einige Souvenirshops gestöbert. Im Touristenbüro wurden hauptsächlich Fahrten in den Litchfield und Kakadu Nationalpark und zum Katherine Gorge angeboten. Das hatte ich aber schon gesehen, so dass ich hier für mich nichts Neues entdeckte. Zurück im Gecko Lodge habe ich mit Tim aus Perth und seiner kanadischen Freundin noch einige Pils beim Fernsehen geköpft.

26.05.1999 (Mi) Darwin

Erneut habe ich meine Sachen gepackt und bin ins Darwin City Lodge gewechselt. Diesmal war tatsächlich ein Zimmer frei. Das Zimmer war angenehm hell und mit Deckenventilator und Klimaanlage. Nur der Kühlschrank 'lebte' von innen, weshalb ich ihn besser nicht benutzte.

Darwin City Lodge

Nach dem Umzug bin ich in die City gegangen (ca. 2 km) und habe dort den Typen wiedergetroffen, der am vorherigen Tag die Campingstühle von mir bekommen hatte. Er sagte, dass er auch noch Verwendung für den Wasserkanister und das Toilettenpapier gefunden hatte und bedankte sich nochmals. Ich habe mich mit ihm gefreut.

Den Rest des Tages habe ich damit verbracht, zwischen den vielen Didj-Geschäften hin und her zu pendeln und zu vergleichen. Einige waren vom Sound gut aber schlecht bemalt, einige waren schön bemalt aber hatten einen nicht so guten Sound. Darwin hat jedenfalls die größte und beste Auswahl an Didjes in ganz Australien zu moderaten Preisen. Ich habe bestimmt über 100 ausprobiert und mich schließlich für 3 entschieden, die ich auch für Freunde kaufen sollte. Der Versand ging nur mit TNT, da die offizielle Post so lange Pakete nicht befördert.

Abends gab es beim Backpackers Unmengen an Freibier. Den Grund für die Party habe ich nicht herausgefunden, war aber auch nicht so wichtig. An dem Abend habe ich alle der ca. 15 Gäste des Hauses kennengelernt und einige kamen auch vom benachbarten Gecko Lodge herüber. Neben einer Jam-Session mit Bongos, Didj und Gitarre wurde ein interessantes Spiel gespielt: Man musste ca. 1 m Klopapier zwischen die Pobacken klemmen, am Ende wurde das Papier angezündet und man musste ca. 20 m damit laufen, ohne sich den Po zu verbrennen. Zum Glück war die Teilnahme freiwillig, so dass ich mich drücken konnte.

27.05.1999 (Do) Darwin

Gegen 10 am bin ich in die City gegangen, habe bei einem chinesischen Imbiss gegessen und im Internet-Café einige Emails an Freunde geschrieben. Für 1 h Internet und A$6 gab es einen Kaffee gratis. Im Hafen war richtig Trubel: Es waren gerade Arafura Games und Sportler aus dem asiatischen und pazifischen Raum maßen sich bei einem Ruderbootrennen. Die ganze Stadt hatte sich auf dieses Ereignis eingestellt und überall konnte man Sportler mit einschlägigen T-Shirts sehen. In der Stadt habe ich mich auf eine Bank gesetzt und mir das Treiben angeschaut. Neben mich setzte sich eine deutschsprachiges Pärchen und sie erzählten mir, dass sie gerade ihren Wagen verkauft hatten und dafür nur 1 h gestanden hatten. Sie waren wirklich froh, denn andere standen dort schon bis zu drei Tage.

Abends bin ich zum Mindil Beach Market gegangen, der am Strand stattfindet und vom Backpackers gut zu Fuß zu erreichen war. Zum Sonnenuntergang trafen sich alle Marktbesucher am Strand. Der Markt bot einiges an Leckereien und Souvenirs, u.a. auch günstig Didjes, aber davon hatte ich schon genug gekauft. Auf dem Markt habe ich den netten Mann vom Campingplatz nochmals getroffen, der mit Gitarrespielen sich ein paar Dollar verdienen wollte. Der Markt war der interessanteste, den ich in Australien gesehen habe.

Sonnenuntergang Mindil Beach

28.05.1999 (Fr) Darwin

An diesem Tag trödelte ich nochmals die Stadt ab, kaufte ein Busticket (A$ 6) für den nächsten Tag zum Flughafen und machte einen Spaziergang am Strand entlang. In der Stadt habe ich das Schweizer Pärchen wiedergetroffen, die ich auf der Whale-Shark Bootstour bei Coral Bay kennengelernt hatte, auch sie hatten die Strecke nach Darwin ohne Probleme gemeistert.

Am Abend fand ein Konzert in der City statt. Auf dem Marktplatz war eine große Bühne aufgebaut mit PA-Anlage und einigen Lichteffekten. Die Rockband gefiel mir sehr gut, denn sie spielten einige Coverversionen bekannter Rock-Hits. Viele Aborigines tanzten auf dem freien Platz vor der Bühne. Leider hatte ich den Camcorder nicht dabei, so nahm ich ein Taxi um ihn zu holen. Der Taxifahrer erzählte mir, dass es an diesem Abend schon 3 oder 4 Fights (Kämpfe) von betrunkenen Aborigines gegeben hätte. Deshalb würde das Konzert auch schon um 10 pm enden. Aborigines mögen Rockmusik, das Konzert würde viele von ihnen anziehen und die Stadtverwaltung befürchte, dass es zu späterer Stunde wieder zu Randale kommen könnte, wenn die Aborigines noch mehr getrunken hätten. Er sagte ebenso, dass er bei Aborigines immer nur gegen Vorkasse fahren würde. Wenn er dies nicht täte, würden sie nicht bezahlen und freuen sich obendrein, denn im Falle einer Verhaftung hätten sie im Knast ein Bett und Frühstück sicher.

Zurück beim Backpackers saßen ein Holländer, ein Kanadier und eine Deutsche vor dem Haus, mit denen ich mich noch nett unterhalten habe.

29.05.1999 (Sa) Darwin – Alice Springs

Gegen 1 pm hat mich der Shuttle Bus vom Hostel abgeholt. Auf dem Flughafen sah ich nochmals Bekannte: Ein Schweizer Pärchen, die ich das erste Mal auf dem Jumping Crocs Boot auf dem Adelaide River getroffen hatte. Der Flug dauerte ca. 2 h. Im Flugzeug habe ich von einer Stewardess einen Anschiss bekommen, weil ich beim Landeanflug auf Alice den Camcorder laufen ließ, denn ich hatte nicht daran gedacht, dass es verboten ist.

Ich hatte ein Zimmer im Melanka Lodge reserviert. Das Hostel lag sehr zentral und war nach Angabe des Reiseführers relativ günstig. Das Hostel hat auf dem Flughafen einen Schalter und dort musste ich für eine Nacht vorweg bezahlen, bekam jedoch dafür den Transfer vom Flughafen zum Hostel gratis: netter Service. Die Tour für den folgenden Tag wurde von der Rezeption gleich bestätigt. Das Hostel war riesengroß und etwas unpersönlich. Am Backpackers angeschlossen ist eine Disko, wo man 'abhotten' kann. Die Bettlaken wurden wahrscheinlich nur einmal jährlich gewechselt, ich war jedenfalls froh, meinen eigenen Schlafsack dabei zu haben. Nach Sonnenuntergang war in der Stadt nichts mehr los, nur ein Fastfood Restaurant hatte noch geöffnet. Mir schien es so, als wenn fast alle Touris hier nur Zwischenstopp machen, um dann zum Ayres Rock zu fahren, so wie ich.

30.05.1999 (So) Alice Springs – Ayres Rock

Um 5.30 am bin ich aufgestanden. Ich hatte einen Teil meines Gepäcks in einem Beutel verstaut, den ich im Lodge deponieren konnte. Die Rezeption hatte schon um 6 am auf, so dass ich morgens noch ein Zimmer für die Zeit nach meiner Rückkehr von der 3-Tages-Tour reservieren konnte. So früh morgens war schon reger Betrieb vor dem Lodge, denn es wurden ca. 20 Leute von verschiedenen Bussen abgeholt. Ich wurde von einem großen Bus abgeholt, in dem durchweg ältere Leute saßen. Bei dem ersten Stopp bei einer Camelfarm trafen wir einen Kleinbus von Adventure Tours und die hatten schon Feuerholz für den Abend gesammelt. Ich habe mich etwas geärgert, denn in dem Bus waren meist jüngere Leute und die Tour wäre bestimmt etwas geselliger gewesen. Mit dem Guide von Adventure Tours kam ich ins Gespräch. Er munterte mich auf und meinte, ich sollte das beste draus machen. Das wollte ich dann auch.

Unser Busfahrer, Jack, stellte sich als erfahrener Australier heraus: Er wusste alles über Land und Leute und hat uns viel erzählt, er redete fast ununterbrochen. Beim zweiten Stopp hielten wir bei einem Roadhouse. Jack sagte, dass es hier ein typisches australisches Gericht geben würde: Känguru-Pie. Das habe ich dann auch gleich getestet. Von dem in Blätterteig eingebackenen Fleisch war ich nicht begeistert. Es schmeckte so, wie ich mir Hundefutter aus der Dose vorstelle. Zurück im Bus erzählte er uns, dass aus Kängurufleisch hauptsächlich Hundefutter hergestellt wird: Aha! Beim Tafelberg Mt. Connor haben wir ebenfalls kurz gehalten, ein sehr imposanter Anblick.

Nach ca. 450 km Fahrt und 40 km vom Ayres Rock entfernt konnte man den zweitgrößten Stein der Welt in der ansonsten flachen Steppe bereits sehen und blieb dann ständig vom Bus aus zu sehen. Beim Ayres Rock Ressort, eine Hotelanlage, die extra für Besucher des Uluru in die Wüste gebaut wurde, habe ich mein Bett in einem 4-Bett-Zimmer bezogen. Ich hatte das Zimmer für mich alleine.

Gegen 2 pm wurden wir von dort für eine Fahrt zu den 30 km entfernten Olgas abgeholt. Es regnete sogar und war mit 20 Grad recht kühl, was in dieser Gegend sehr selten vorkommt. In Alice Springs, wo es noch seltener regnet, hatte es den letzten Regen vor 5 Monaten gegeben. Zwischen den riesigen Felsen der Olgas führt ein ausgebauter Wanderweg, den wir entlanggewandert sind. Das vom Regen feucht gewordene Gestein der Olgas knisterte. Den Ayres Rock konnte man von den Olgas aus sehen. Die Spitze des Uluru ragte bis in die Wolken hinein.

Olgas

Zum Sonnenuntergang stellten wir uns ca. 10 km vom Ayres Rock entfernt auf, denn der Felsen soll in der Abendsonne besonders rot glühen. Dort am Aussichtsstand war regelrechter Massenbetrieb: Ca. 20 große Busse und einige hundert Leute. Der Sonnenuntergang war aber nicht wie erhofft, denn es war bewölkt. Beim Abendessen habe ich am Tisch zwei nette Leute kennengelernt: Lee aus Schottland und Danny aus der Schweiz.

31.05.1999 (Mo) Ayres Rock – Kings Canyon

Bereits vor Sonnenaufgang gegen ca. 6.30 am wurden wir vom Ayres Rock Ressort abgeholt und sind zum Uluru gefahren. In der Morgendämmerung um 7.00 am hat der Ranger den Kletterweg zum Felsen hinauf geöffnet. Alternativ hätte man auch eine Wanderung um den Ayres Rock herum unternehmen können.

Vor der Reise hatte ich mir vorgenommen, den Felsen nicht zu erklettern, da er ein heiliger Ort der Aborigines sein soll. Unser Guide, Jack, erklärte aber und auch im Informationszentrum konnte man erfahren, dass die Aborigines es wegen des gefährlichen, steilen und anstrengenden Aufstiegs nicht gerne sehen, wenn Leute dort hinaufklettern. Heilige Plätze liegen um den Felsen umzu, die man weder betreten noch filmen oder fotografieren darf. Also bin ich, wie fast alle Touris, den Felsen hinaufgestiegen. Der Aufstieg war höllisch Steil und anstrengend.

Uluru

Von unten sah es nicht so steil aus. Auf dem 1,6 km langen und 348 m hohen Aufstieg hat man 2/3 der Steigung im 1. Drittel zu überwinden. Einige Leute sind auf halbem Wege wieder umgedreht und auf dem Hosenboden heruntergerutscht. Eine Kette ist zum Festhalten in den Felsen eingeschlagen. Ohne diese Kette würden bestimmt noch mehr Leute am Felsen zu Tode kommen. Der Felsen ist glatt und ohne gutes Schuhwerk mit griffiger Sohle wäre man verloren gewesen. Für einen Suizidversuch würde ich glatte Strassenschuhe oder Sandalen empfehlen. Der Aufstieg lohnte sich aber allemal, denn man hatte einen fantastischen Weitblick von oben. Es war ein erhebendes Gefühl auf dem Stein zu stehen, den ich schon so oft auf Bildern gesehen hatte und dabei immer dachte, das möchte ich gerne einmal erleben.

Lange habe ich es dort oben aber nicht ausgehalten, denn obwohl ich mich auf Anraten unseres Guide warm angezogen hatte, war es oben stürmisch windig und eisig kalt. Dabei war unten fast noch Windstille gewesen. Der Abstieg war nicht weniger gefährlich als der Aufstieg, aber weniger anstrengend. Dabei sind mir einige JapanerInnen aufgefallen, die mir entgegenkamen und weisse Handschuhe anhatten, um sich die Finger an der Kette nicht zu verdrecken!?

Mittagessen gab es im Ressort und war inklusive: Pommes und Cola. Beim nahegelegenen Lookout habe ich nochmals die jetzt klare Sicht zum Uluru genossen. Anschließend ging die Fahrt zum ca. 300 km entfernten Kings Canyon. Dort im Ressort wurden wir in angenehmen 4-Bett-Dorms untergebracht und ich teilte mein Zimmer mit Tschang? (Wie wird der Name wohl geschrieben?) aus Korea. In der Nähe des Ressorts konnte man von einem Lookout aus den Sonnenuntergang erleben und der war diesmal spektakulär, denn die rote Abendsonne strahlte gegen die roten Felsen des Hochplateaus und die Steine leuchteten Blutrot. Angenehm war auch, dass es hier wesentlich ruhiger zuging als beim Ayres Rock, denn zum Kings Canyon fahren längst nicht alle Touris.

Zum Abendessen gab es leckeres Currychicken. Am Tisch habe ich Caroline aus Perth, Ken und Anne aus Sydney kennengelernt. Im benachbarten Pub haben wir noch einige Bier getrunken und beschlossen, am folgenden Tag gemeinsam durch den Kings Canyon zu wandern.

Kings Canyon

01.06.1999 (Di) Kings Canyon – Alice Springs

Vor dem Sonnenaufgang waren wir bereits am 6 km entfernten Canyon. Jack begleitete uns ein kleines Stück und erklärte viele Pflanzen. Wir waren nur 4 Leute, denn alle anderen, meist älteren Mitreisenden wollten die kurze Wanderung im Tal machen, während wir uns gestern im Pub für die lange Wanderung entschieden hatten und im Canyon hochklettern wollten. Vom Hochplateau konnten wir auf Treppen in den rd. 100 m tiefen Canyon hinabsteigen, wo sich ein Wasserloch mit einigen Enten befand. Ich genehmigte mir ein Müsli-Riegel. Ein Rabe und setzte sich genau neben mich und wartete darauf, dass etwas für ihn abfiel. Letztendlich fraß er mir sogar aus der Hand.

Das Kings Canyon war wirklich toll, denn die riesigen Steilwände mit rot gestreiftem Felsen sieht man bestimmt nur hier. Zudem war es hier wesentlich ruhiger als am Uluru. Dinner gab es im Ressort und anschließend ging die Fahrt bereits zurück nach Alice. Im Bus habe ich das Schweizer Paar wiedergesehen, die ich bei den Jumping Crocs auf dem Adelaide River bereits gesehen hatte. Auf der Fahrt nach Alice durchquerten wir Mt. Ebenezer Station, wohl die größte Farm in Australien mit 4.500 qkm Landfläche. Zurück im Melanka Lodge habe ich zwei Nächte bis zum Abflug gebucht.

In der Rezeption fiel mir ein Prospekt ins Auge, wo Ballonfahrten für A$ 160 für 1 h angeboten wurden. Auf Nachfrage bekam man im Melanka Lodge sogar Rabatt, so dass ich die Tour für A$ 128 inkl. Frühstück verkauft bekam. Das hieß für mich wieder früh aufstehen, denn ich sollte um 5.20 am abgeholt werden.

02.06.1999 (Mi) Alice Springs

Schon um 4.30 am bin ich aufgestanden und um 5.20 am wurde ich von dem Kleinbus der Spinifex Balooning abgeholt. Ca. 20 km vor der Stadt sind wir angehalten und der Ballonfahrer hat einen Luftballon in die Luft fliegen lassen, den er mit der Taschenlampe verfolgte, um den Wind zu testen. Auf einem freien Feld halfen alle 16 Mitfahrer mit, den Ballon aufzubauen.

Im Ballon war es etwas eng. Der Korb war gevierteilt und ich stand mit drei etwas korpulenteren Australiern in einem Viertel. Ich war erstaunt, dass der Ballon mit 17 Personen, Ballastsäcken und Gasflaschen an Bord abhob. Es war eiskalt draußen, aber die Brenner gaben ordentlich Hitze ab. Es war ein tolles Erlebnis, lautlos in der Luft zu schweben und die Pferde und Kängurus von oben zu beobachten, die sich von uns nicht stören ließen. Nur die Brenner des Ballons durchbrachen die Stille. Unsere Flughöhe schwankte zwischen 5 m und 300 m über dem Boden. Am Horizont konnten wir 3 weitere Ballons sehen.

Nach 1 h Fahrt setzten wir zur Landung an, die durch den geringen Wind sehr sanft verlief. Alle Mitfahrer halfen wieder mit den Ballon einzupacken. Dass man davon etwas dreckig wurde, kümmerte keinen. Auf einem nahegelegenen Weingut gab es Sekt, Wein und ein reichhaltiges Frühstück mit frischem Brot, Croissants, Hähnchenkeulen, Melonen, Trauben, Kiwis, Kaffee, Tee etc. und netter Unterhaltung. Jeder Teilnehmer erhielt eine Urkunde. Ich habe mich mit meinem Tischnachbarn unterhalten, der aus Kolumbien kam.

Anschließend wurden wir in die Stadt zu unseren Hotels zurückgefahren. Dort habe ich erst mal ein Mittagsschläfchen gehalten, da mir der leckere Sekt etwas zu Kopf gestiegen war. Die Rezeption hat mir ein Zimmer in Sydney reserviert und den Airport Shuttle Bus bestellt, denn am folgenden Tag ging mein Flug dorthin. Den restlichen Nachmittag habe ich mit einem Gang durch die Stadt und deren Geschäfte verbracht. Ich war auf dem Anzac Hill, wo man einen schönen Blick über die Stadt hat. Panorama Guth war sehr interessant: In einem 360° Gemälde hat der holländische Künstler die Outbacklandschaft sehr naturgetreu festgehalten. Herr Guth war sogar persönlich dort.

03.06.1999 (Do) Alice Springs – Sydney

Mit dem Shuttle Bus bin ich zum Flughafen gefahren. Dort hatte ich noch etwas Zeit und habe mir ein Frühstück gekauft. Draußen saß zu meinem Erstaunen wieder das Schweizer Pärchen, zu denen ich mich gesetzt habe und wir haben die Zeit bis zum Abflug mit einer netten Unterhaltung überbrückt. Lästig war nur, dass ein Rabe ständig versuchte, mir mein Croissant vom Teller zu klauen.

Der Flug dauerte ca. 2 ½ h und wir überflogen Simpson Desert, wo wirklich alles rot und keine Vegetation zu erkennen war. Die letzten 20 Min. flogen wir über grünes Gebiet und je östlicher wir flogen, desto bewölkter wurde es. In Sydney regnete es schließlich. Der Transfer vom Flughafen zum reservierten Hotel klappte wunderbar, auch wenn die Strassen voller Staus waren. Im Hotel C.B. Private Hotel musste ich 180 A$ für 6 Nächte zahlen. Das Hotel war zwar ohne Komfort und es trieb sich ein merkwürdiges Publikum dort herum, aber die Zimmer und Flurtoiletten waren sauber und das Bett neu bezogen. Zudem war das Hotel absolut zentral, so dass ich z.B. zur Opera House nur ¼ h zu Fuß gehen musste. Den Rest des Tages habe ich mit einem Spaziergang durch die Stadt verbracht.

04.06.1999 (Fr) Sydney

Da es im Hotel keine Frühstücksmöglichkeit gab, bin ich um die Häuserblockecke in ein Café gegangen und habe mir einen Kaffee und ein Croissant genehmigt. Nachdem ich das Büro von Singapur Airlines gefunden hatte, konnte ich ohne Probleme den Rückflug zwei Tage früher ohne Umbuchungsgebühr umbuchen. Ich wollte nicht mehr bis nächsten Freitag in Sydney bleiben, um zuhause noch etwas auszuspannen, bevor die Arbeit wieder losging, außerdem war ich doch etwas reisemüde geworden.

Ein Spaziergang durch den ältesten Stadtteil von Sydney "The Rocks" war sehr interessant: schöne alte Häuser im roten Backstein und viele kleine gemütliche Geschäfte und Cafés.

Anschließend habe ich mir ein Kombiticket für Oceanworld und die Fähre nach Manly gekauft. Die Fähre startete von Cicular Quay, ein Hafen direkt in der City neben dem Opera House. Von der Fähre hatte ich einen schönen Blick auf die Skyline von Sydney und das Opera House. Auf der Halbinsel Manly an der Nordseite Sydneys ging es eher kleinstädtisch beschaulich zu. Am Manly-Beach konnte man viele Wellenreiter im Wasser sehen. Ich habe mich in die Fußgängerzone gesetzt und mir das Treiben dort angesehen.

Im Oceanworld auf Manly konnte man durch einen gläsernen Tunnel gehen und den weissen Haien mal richtig ins Maul schauen. Sehr interessant! Daneben konnte man viele Rochen, Baramundis usw. im großen Aquarium sehen. Die Seerobbenshow war für die Kinder sehr unterhaltsam, ich fand es eher langweilig.

Oceanworld Sydney Manly

Auf der Fähre zurück habe ich Max kennengelernt, der mir eine Zigarette anbot. Im Downtown haben wir noch einen Kaffee zusammen getrunken, zu dem er mich eingeladen hatte und den ich dann bezahlen durfte, weil er kein Geld hatte. Er erzählte sehr wirres Zeug und behauptete von sich selber, dass er schizophren sei und seine Drogenabhängigkeit hinter sich gelassen hatte. Nachdem wir gemeinsam einige Geschäfte durchstöbert hatten, trennten sich unsere Wege.

In Chinatown hatte ich das Gefühl, tatsächlich in Asien zu sein, denn man sah nur Japaner und es wurde nur japanisch gesprochen, es hörte sich zumindest so an. Auch die Beschriftungen der Auslagen waren in japanischer Schrift. Sehr interessant.

Gleich einen Häuserblock von meinem Hotel entfernt befand sich ein Veranstaltungszentrum, in dem am Dienstag die Rockgruppe BIS spielen sollte. Klar, dass ich mir dafür sofort eine Konzertkarte kaufte, als ich das Plakat sah.

Abends bin ich mit der doppelstöckigen U-Bahn nach Kings Cross gefahren. Dort gab es nicht nur viele Straßengaukler, sondern man wurde auf der Strasse auch penetrant in die Lokale mit den roten Leuchten eingeladen. Ich suchte aber nach einer Disco mit alternativer Musik. Da ich keine fand und mir vom vielen Laufen die Füße schmerzten, bin ich ins Hotel zurückgegangen.

05.06.1999 (Sa) Sydney

An diesem Tag wollte ich den Peddington Market besuchen, der in meinem Reiseführer als quirligster und bester Markt beschrieben wurde. Als ich mich die 4 km zu Fuß dorthin durchgefragt hatte, war ich doch etwas enttäuscht. Der Markt hatte zwar Flair, war aber sehr klein. Da war der Rocks Market im Stadtteil The Rocks, den ich danach angesteuert habe, doch interessanter und dort wurde viel Handwerkliches feil geboten.

Sydney

Über die Harbourbridge und zum Opera House bin ich natürlich auch gegangen, um mir die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt aus der Nähe anzusehen. Ich war begeistert, dass es in Sydney Taco Bell gab, eine Fast Food Kette, die ich aus den USA kannte und wo es lecker scharfes mexikanisches Essen gibt. Ich glaube, ich war jeden Tag zum Essen dort.

In den Kinos lief gerade Star Wars Episode 1 an und ich wollte mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, den Film jetzt eine Woche nach der Premiere in den USA zu sehen, denn in Deutschland würde es bestimmt 2 Monate dauern, bis der Film synchronisiert ist.

06.06.1999 (So) Sydney

An diesem Tag wollte ich zum Koala Park, um einen Koala zu sehen und eventuell sogar streicheln zu dürfen. Der Park war leider sehr weit auswärts, so dass ich 3 h mit dem nicht ganz einfachen Zug- und Bussystem unterwegs war, bis ich dort ankam. Dort gab es viele Koalas, die im ganzen Park verstreut in den Bäumen saßen und an einem Gehege durfte ich dann unter der Aufsicht einer Tierpflegerin einen Koala streicheln. Daneben konnte man viele australischen Beuteltiere sehen, u.a. Kängurus, Wallabies, Wallaroos, Wombats, Possums und Emus liefen dort natürlich auch herum.

Koala

Zurück in der City habe ich auf dem sehr lebhaften Haymarket einige Souvenirs gekauft. Im Einkaufszentrum Harbourside konnte man für Souvenirs und Kleidung einiges an Kohle lassen. Als mein Rucksack voll war, bin ich wieder zum Hotel gegangen.

07.06.1999 (Mo) Blue Mountains

Die Zugfahrt in das ca. 80 km entfernte Katoomba in den Blue Mountains dauerte ca. 2 ½ h und es ging enorm bergauf bis wir letztendlich in den Wolken waren. In dem kleinen Ort Katoomba schien die Sonne. Im dortigen Reisebüro habe ich eine Busrundfahrt gebucht. Hätte ich gewusst, dass die Hauptsehenswürdigkeiten der Blue Mountains gleich hinter dem Ort liegen, hätte ich mir die A$ 35 sparen können und wäre zu Fuß gegangen. Vielleicht beim nächsten Mal...

Three Sisters Blue Mountains

An Sehenswürdigkeiten habe ich die Three Sisters, den Scenic Railway, die Scenic Skyway, die Katoomba Falls und die Wentworth Falls gesehen. Eine Wanderung durch den sehr schönen Wald mit fantastischen Ausblicken ins 250 m tiefe Tal hätte mir auf jeden Fall besser gefallen, als dort mit dem Bus herumkutschiert zu werden.

Bei dem Lookout zu den Three Sisters habe ich einen Aborigine (Name konnte ich mir nicht merken, da er mir seinen Aborigine-Namen nannte, den ich erst nach einigen Sprachübungen aussprechen konnte) kennengelernt, der sehr gesprächig und nett war. Er stand dort im Känguru-Fell und spielte Didj und verdiente nicht schlecht an Geld, was ihm die Touristenmassen in seinen Beutel warfen. Er lud mich sogar ein, mit ihm Didj zu spielen. So ging dann doch noch einer meiner Urlaubsziele in Erfüllung, einmal mit einem Aborigine Didjeridu zu spielen. Er erzählte mir, dass er in einer Band spiele und auch schon in Polen und der Schweiz auf Festivals gespielt habe. Er trank keinen Alkohol und hatte sein Studium abgebrochen, weil er zum Rumsitzen in der Uni keine Lust mehr hatte. Er war in einer Community aufgewachsen und sprach zwei Aborigine-Sprachen.

08.06.1999 (Di) Sydney

Eigentlich wollte ich an diesem Tag zum Olympia Park, aber der Zug dorthin fuhr nur stündlich und ich hatte ihn gerade verpasst und wollte nicht eine Stunde warten. Ich bin durch einige Didjeridu-Geschäfte gegangen und habe mir noch ein Didj gekauft, das ich als Handgepäck im Flugzeug mitnehmen wollte.

Im Powerhouse Museum gab es eine Space-Ausstellung, die ich sehr interessant fand, da es dort sehr viele Originalteile zu sehen gab, u.a. eine original russische Raumkapsel.

Am Abend fand das Konzert von BIS statt. Ich fühlte mich wie zuhause, denn im Konzertsaal herrschte eine Stimmung wie in Deutschland auf einem Konzert. Es gab sogar alkoholische Getränke in der Konzerthalle.

09.06.1999 (Mi) Sydney

Ich hatte Mühe, meine Sachen in meinem Rucksack zu verstauen, weil ich so viele Souvenirs gekauft hatte. Da ich nicht alles reinquetschen konnte, musste ich den Rest in einer Kunststofftüte mitnehmen. Die Bushaltestelle für den Bus zum Flughafen war direkt vor der Hoteltür. Als ich dort auf den Bus wartete, hielt ein Taxi an und bot mir an, mich für den gleichen Preis zum Flughafen zu bringen. Das Angebot habe ich angenommen. Beim Einchecken hatte mein Gepäck Übergewicht: Erlaubt waren 20 kg und ich hatte 25,9 kg dabei. Aber das machte keine Schwierigkeiten und auch das Didjeridu wurde als Sondergepäckstück ohne Widerrede angenommen, so dass ich es nicht als Handgepäck herumtragen musste.

Auf dem Flughafen hatte ich viel Zeit, um noch Essen zu gehen und die Flugzeuge beim Starten und Landen zu beobachten. Der Rückflug ging ohne Komplikationen vonstatten. Als ich mein Gepäck in Bremen vom Laufband auf den Trolley packte und damit den Flughafen verlassen wollte, kam gleich ein Zollbeamter auf mich zu. Er hatte wahrscheinlich mein eingepacktes Didj gesehen. Als er erfuhr, dass ich gerade aus Australien kam, war er begeistert, denn er war auch Australienfan. Ich hatte Glück, dass mein Gepäck nicht durchsucht wurde.

Auf der Fahrt von Bremen nach Oldenburg fiel mir auf, wie grün hier alles ist. Von der grünen Natur waren die Australier auch so begeistert, wenn sie in Europa gewesen waren und jetzt stach es mir auch in die Augen und ich dachte, dass es schön ist, wieder zuhause zu sein.

Feuer!!!